Jente Posthuma
Woran ich lieber nicht denke
Roman

Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630877990
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR
ISBN 9783630877990
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. "Als Erstes denkt sie immer an ihren Zwillingsbruder: Wenn sie einen neuen Pullover für ihre Sammlung entdeckt. Wenn sie nicht weiß, wie sie ein schlecht laufendes Date elegant beenden kann. Wenn sie Sylvia Plath liest und Virginia Woolf. Oder als sie die einstürzenden Twin Towers in den Fernsehnachrichten sieht. Ihr Zwillingsbruder ist der Mensch, der immer da ist - erst im gemeinsamen Kinderzimmer, dann in der Wohnung auf der anderen Seite des Parks in Amsterdam. Doch plötzlich kommt der Tag, an dem er nicht mehr da ist." Auch Virginia Woolf hatte einen Pelzmantel angezogen, wusste ich. Sie füllte die Taschen mit Steinen und ertränkte sich in einem Fluss. Wie mein Bruder, aber das wusste ich damals noch nicht."
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2025
Dies Buch, schreibt Tobias Lehmkuhl in seiner kurzen, aber sehr positiven Kritik, reiht sich ein in eine ganze Serie von Trauerbüchern, die in den letzten Jahren erschienen seien. Es war für den Internationalen Booker-Preis nominiert, und zwar völlig zurecht, befindet der Rezensent, der von der Grundkonstellation des Romans und der Auffaltung der Thematik sehr beeindruckt ist: Hier schreibe eine um ein paar Minuten jüngere Zwillingsschwester über ihren Bruder, der sich ertränkt hat. Und gerade in dieser Zwillingskonstellation, dieser engen Beziehung, die Zwillinge meist haben, muss so ein Suizid besonders schmerzhaft sein. Lehmkuhl bewundert vor allem die Beiläufigkeit, die Kraft zur Kürze und die Intensität des Fragmentarischen in diesem Roman.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.03.2025
Jente Posthumas "Woran ich lieber nicht denke" wurde 2024 für den Booker Preis nominiert, und das völlig zurecht, befindet Rezensentin Katharina Borchardt. In kurzen vignettenartigen Kapiteln erinnert sich hier eine Frau an ihren Zwillingsbruder, das gemeinsame Aufwachsen, die Nähe zwischen den Geschwistern - emotional und räumlich, seine ewige Suche, seine Depression und schließlich seinen Suizid. Dabei flicht die Autorin immer wieder feine Exkurse zu wiederkehrenden Motiven ein, lesen wir. Gekonnt verwebt sie diese verschiedenen Elemente - Fetzen von Erinnerungen, Reflexionen, Betrachtungen über Mengeles Zwillingsexperimente oder den Einsturz der Zwillingstürme in NY - und lässt so etwas entstehen, das Borchardt als "reißfestes literarisches Netz" beschreibt, eine ungewöhnliche, bewegende Geschichte - nur ein kleines Müh zu lang vielleicht - über Verlust, Trauer und geschwisterliche Liebe, "feinfühlig, poetisch und überraschend hartkantig" in seiner Bildlichkeit, so die berührte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2025
Mit einnehmender Melancholie und sogar mit Witz erzählt die Niederländerin Jente Posthuma in ihrem neuen Roman von einem Selbstmord, findet Rezensent Paul Jandl. Sie verfolgt darin den Lebensweg eines Zwillingspaars, Eins und Zwei nennen sich die Geschwister selbst, ihr Aufwachsen, ihre ersten Liebeserfahrung, die Erkenntnis das der Bruder schwul ist ("Wir entdeckten, dass wir auf Jungs standen, als wir acht waren und uns in Hans verliebten.", zitiert Jandl), seine Depression. Sind die Zwillinge zu Beginn unzertrennlich schleicht sich nach und nach Distanz ein, erzählt die Kritikerin - schließlich ertränkt sich der Bruder in einem Fluss. Der Schmerz dieser Erfahrung wird bei Posthuma gepaart mit "existenzieller Ironie" und der Erkenntnis der Absurdität des Lebens. Von einer slapstickhaften Komik zu Beginn vollzieht der Roman eine erzählerische Entwicklung hin zur Lakonie, die der Schwester "zur Waffe wird", um mit dem Verlust umzugehen. Andreas Ecke hat dieses lesenswerte Buch außerdem präzise aus dem Niederländischen übersetzt, merkt die Kritikerin an.
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