Der deutsche Weg zum Euro war ein politisches Abenteuer voller Tücken und Machtspiele: Mehrmals stand das Projekt vor dem Scheitern. Ein Außenminister, der einen arglosen Bundesbankchef seine Bundesbank entmachten läßt. Medien, die das Thema verschlafen. Ein Ministerpräsident, der nachts vor der Wahl steht, das Ende der D-Mark abzunicken oder seine CSU zu zerlegen. Ein Zentralbankrat, der als Kronzeuge benutzt wird, die Währungsunion als morsch durchschaut und ihr dennoch den Weg bahnt. Ein französischer Präsident, der schwache Momente des Bundeskanzlers ausnutzt. Ein SPD-Chef, der den Euro als Wahlkampfthema testet und scheitert. Ein schlingernder Helmut Kohl, der mühsam in der Spur gehalten wird. Verängstigte Bürger, die machtlose Abgeordnete bestürmen. Banken, die aus der Verunsicherung ein Geschäft machen. Ein Bundestag ohne Chance, Einfluß auf die Geschichte zu nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2011
Verhalten äußert sich Andreas Rödder über Jens Peter Pauls Studie über die Einführung des Euro. Das Buch scheint ihm auf einer einige Jahre alten Dissertation über die Legitimität politischer Entscheidungsverfahren zu basieren, das nun überarbeitet und "journalistisch flottgemacht" wurde. Der Autor beklage bei der Art und Weise, wie die Entscheidung zur Euro-Einführung 1998 zustande kam, einen Mangel an demokratischer Auseinandersetzung, Courage und Gestaltungswillen bei zahlreichen Akteuren. Die Einschätzung Pauls, das Stillhalten der Entscheidungsträger sei ein systemisches Problem gewesen, hält Rödder zwar für richtig. Aber dieser Befund wird zu seinem Bedauern "nicht wirklich systematisch und widerspruchsfrei herausgearbeitet".
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