Jennifer Egan

Black Box

Cover: Black Box
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783895612510
Gebunden, 89 Seiten, 9,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Brigitte Walitzek. Für ihren Roman "Der größere Teil der Welt" erhielt Jennifer Egan den Pulitzer-Preis und zahlreiche andere Auszeichnungen nicht zuletzt deshalb, weil sie in ihrem Werk mit Erzählweisen experimentiert. Für ihre Geschichte "Black Box" gibt es noch keine Bezeichnung, denn auch hier betritt sie Neuland: Die Story wurde getwittert und erschien erst, nachdem die Kurznachrichten gesendet waren, gebündelt im New Yorker. In der festgelegten Zeichenzahl von 140 Zeichen pro Tweet entfaltet Jennifer Egans Text eine ungeheure Explosionskraft. Eine namenlose, auf sich gestellte Frau ist auf einen hochrangigen Verbrecher angesetzt: Ihre Aufzeichnungen entfesseln eine atemberaubende, von Agententhrillern inspirierte Verfolgungsjagd, offenbaren dabei aber auch schonungslos den Umgang mit weiblicher Schönheit und technisch aufgerüsteten Körpern eben als Black Box.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Nun ist "Black Box", der im Mai 2012 von der Pulitzer-Preisträgerin Jennifer Egan getwitterte Roman auch als Buch erhältlich und Rezensent Joachim Hentschel stellt erfreut fest, dass der nun komprimierte "belletristische Live-Ticker" nicht an Wirkung verliert. Denn, auch wenn das Prinzip des Dialogs und der Hashtags Egans Text nun natürlich fehlt, ist ein "perfekt austariertes" Gebilde entstanden, in dem Hentschel einmal mehr gebannt einer futuristischen Geheimagentin folgt und darüber hinaus bewundert, wie es Egan gelingt, Sätze in Nachrichtencharakter zu formulieren, die beinahe "physische Schwere" haben. Ein auch kommunikationstheoretisch bedeutendes Buch, das nicht nur inhaltlich an die Brillanz von "Der größere Teil der Welt" anknüpft, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2013

Experiment gelungen, stellt Katharina Teutsch erfreut fest. Die Mischung aus avantgardistischer Formverliebtheit und 140-Zeichen-Prosa geht auf, findet sie und attestiert der Autorin Jennifer Egan seismografische Fähigkeiten und einen amerikanisch coolen Humor. Dass die Abfolge der nicht zu einer geschlossenen Form gerinnenden, tatsächlich gesendeten Tweets im "James-Bond-Referenzsetting" (vulgo: Agentenstory) hier Spannung erzeugt, liegt laut Teutsch an dem so eröffneten fantastischen Raum für Neues.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2013

Rezensent Robin Detje befasst sich in einem sehr grundsätzlichen Text mit Jennifer Egans "Black Box" und U.D. Bauers "O.T.", die er als Vorhaben natürlich für ganz unvergleichlich hält, aber doch für bemerkenswerte Beispiele für die Selbstbehauptungskämpfe der Literatur in Zeiten der sich auflösenden Buchform. Beide drohen von ihrem eigenen Marketing überrannt zu werden, doch im Gegensatz zu U.D. Bauers Projekt hält er Jennifer Egans Twitter-Roman "Black Box" für einen ziemlich klugen Versuch, eine heutige Geschichte in einer heutigen Form zu erzählen. Es geht um eine Agentin, die für die nationale Sicherheit Leib und Leben geben muss. Wie es Egan gelingt, den Verlust von Freiheit unter den Bedingungen eines nahezu totalitären Sicherheitswahns zu beschreiben, das imponiert Detje, der hier Handlungsanweisungen eines unsichtbaren, aber allwissenden Instrukteurs im Minutentakt verfolgt. Ein Entkommen gibt es nicht, "die Staatsfeinde sind überall", die innere Leere wird mit Religion gefüllt: Die "narzisstischen Notstandsgesetze" sieht Detje hier wunderbar in Form gefasst und freut sich, dass Literatur noch solch "subversive Strategien" entwickeln kann.
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