Turia und Kant Verlag, Wien 2026
ISBN
9783985141432 Kartoniert, 120 Seiten, 14,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Annette Wunschel. Joséphine ist Jean Rolins autobiografische Erinnerung an die tragisch-zerrissene Gestalt seiner Geliebten der frühen 1990er Jahre, die auch die Frau von Félix Guattari war - der im Roman nur "F." genannt wird. Sein Reporterblick beschreibt Szenen von Joséphine in Paris, auf Bahnfahrten durch die französische Provinz bis an die Atlantikküste oder auf Streifzügen durch die südliche Garrigue. Auch in diesem Buch des Autors und Kriegsberichterstatters Rolin spielen Orte eine weit über äußere Koordinaten hinausreichende Rolle; in ihnen verdichten sich die Stadien von Liebe und Scheitern, von Anziehung und Verzweiflung, die hier Hand in Hand gehen. Joséphine kann leichtfüßig und verspielt sein, sich als Frau in Szene setzen - und doch kann sie nicht verhindern, dass belanglose Gespräche zu verwirrendem Streit führen, dass ihr Momente der Leichtigkeit entgleiten und in stummer Hilflosigkeit enden. Joséphine ist heroinabhängig und verfügt über keine rettenden Strukturen oder Routinen. Sie kann ihren Schmerz nur in geheimen Heften oder in Träumen ausdrücken. Sie starb 1993, mit 31 Jahren, an einer Überdosis. Dieses Buch wurde kurz danach geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2026
Peter Urban-Halle liest Jean Rolins den Rezensenten an Bretons "Nadja" erinnernde tagebuchartige Beschreibung seiner Leidenschaft zu einer jungen Drogensüchtigen mit Ergriffenheit. Dass der Autor viel über sich erzählt und der Angebeteten, es handelt sich um die Ex-Frau von Felix Guattari, dennoch ein eigenes Denken und Wesen zugesteht, gefällt dem Rezensenten gut. Der erstmals ins Deutsche übersetzte Text von 1994 berichtet laut Urban-Halle von einer reflektierten Frau und von einem verzauberten Mann, der in langen, doch "nicht verschwurbelten" Sätzen seine Leidenschaft und seine mögliche Schuld durchlebt.
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