Massimo Recalcati

Am Anfang war das Wort

Das biblische Erbe der Psychoanalyse
Cover: Am Anfang war das Wort
Turia und Kant Verlag, Wien 2025
ISBN 9783985141395
Gebunden, 382 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Italienischen übersetzt von Stefano Vastano und Wolfgang Hegener. 
"Das Gesetz des Wortes ist ein Gesetz, das die Menschwerdung begünstigt, indem es den Menschen von jedem Herrschaftsideal und jeglicher repressiven Auslegung des Gesetzes befreit."Dieses Buch handelt von der zentralen Bedeutung des Logos, der konstitutiven Dimension des Wortes, die sich sowohl in der psychoanalytischen Theorie und Praxis als auch prominent am Anfang der biblischen Erzählung findet. Vor diesem Hintergrund thematisiert der Psychoanalytiker und Philosoph Massimo Recalcati die Notwendigkeit, über die rituellen Praktiken und die Unmenschlichkeit des Opfers hinaus zu gelangen - wovon die Geschichte Abrahams und der verhinderten Opferung seines Sohnes Isaak exemplarisch erzählt. Es geht aber auch um die Notwendigkeit, die höchst verführerischen, aber zerstörerischen Versuchungen des Narzissmus zu analysieren, der Adam und Eva dazu verleitet, die grundlegende Dimension des Gesetzes zu missachten, und der ihren Sohn Kain zum Mord am Bruder Abel anstiftet. Bei genauerem Hinsehen enthält der biblische Text viele weitere Erzählungen und Szenen, die tief mit den Theorien des psychoanalytischen Diskurses verwoben sind. Durch dieses Buch wird eindrücklich nachvollziehbar, wie und in welchem Maße sich Sigmund Freud und Jacques Lacan in ihrem Werk von den biblischen Erzählungen haben inspirieren lassen. Ja, mehr noch: Massimo Recalcati rekonstruiert konkret und präzise die verschiedenen Dimensionen, in denen die Psychoanalyse das "Erbe" des biblischen Denkens antritt und es in gleichsam säkularer Form fortsetzt. Das jüdisch-biblische und das psychoanalytische Denken treten somit jenseits von Klischees und Vorurteilen in einen neuen Dialog miteinander ein. Um dieses Gespräch fruchtbar zu gestalten, muss, wie Recalcati in seiner Einleitung zu Recht betont, auf den Anspruch verzichtet werden, den biblischen Text auf krude Weise "psychoanalysieren" zu wollen; vielmehr gehe es nun darum, "die Heilige Schrift zu lesen, um die Psychoanalyse besser zu verstehen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2026

Rezensent Lorenz Jäger findet sogar die "Irrwege" des Psychoanalytikers Massimo Recalcati interessant. In seinem Buch versucht sich der Psychoanalytiker laut Jäger daran, Geschichten aus dem Alten Testament mit Freud abzugleichen, etwa den Sündenfall oder die Beziehung zwischen Jakob und Esau. Dass dem Autor die Pointe der Geschichte mit dem Linsengericht und der Erbfolge entgeht, findet Jäger spannend und deutet das als "mangelnde Abwägung universalistischer und ethnozentristischer Tendenzen" der Bibel und als durchaus unter heutigen Intellektuellen verbreitete Irrung. 

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