Online-Dating ist zum Volkssport geworden. Innerhalb weniger Jahre hat das Internet die Kontaktaufnahme revolutioniert. Millionen von Singles tummeln sich in Online-Kontaktbörsen auf der Suche nach dem passenden Partner fürs Leben oder für eine Nacht. Der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann hat sich unter sie gemischt, ihre lebhaften Diskussionen in Foren verfolgt und die Erfahrungsberichte in ihren Blogs studiert, um herauszufinden, wie sich das neue Medium auf die zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkt. Er hat sich in diesen riesigen Supermarkt der Liebe und/oder Sexualität begeben, in dem jeder zugleich Käufer und Verkäufer ist, seine Wünsche äußert und sie so schnell und effizient wie möglich zu befriedigen versucht. Frauen genauso wie Männer: Mit einem Klick landet der Wunschpartner im virtuellen Warenkorb, nach einem Chat, einem Telefonat und einem Drink in einer Bar oft schon im realen Bett. Die Liebe führt nicht mehr zum Sex, sondern, wenn überhaupt, der Sex zur Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011
Das moderne Beziehungsleben ist das eine. Doch wie sieht es mit Liebe und Sex in Zeiten des Onlinedatings aus? Fachmann genug ist der Autor laut Thomas Thiel allemal, als Soziologe, ohne Soziologensprech, locker und nuanciert schreibend, wie Thiel erleichtert feststellen kann. Was Thiel bei Jean-Claude Kaufmann indes erfährt, macht Angst: Die Internet-Romantiker veranstalten Fitnessabgleichung, Sex wird zum Hobby wie Joggen oder, haha, Briefmarkensammeln. Zwischen Gaming und Wohlfühlsex sieht der Autor die Utopien der Liebe sich verflüchtigen. Der Rezensent schaudert.
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