Janne Teller

Komm

Roman
Cover: Komm
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446237568
Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle. Ein Verleger im Zwiespalt: Gerade hat er ein neues Manuskript seines Bestsellerautors zum Satz gegeben, da taucht eine Bekannte, Petra Vinter, auf. Sie behauptet, der Autor habe ihre Geschichte gestohlen. Eine Rede über Literatur und Moral, an der der Verleger schreibt, soll seine Gedanken ordnen. Dabei sieht er sein eigenes Leben an sich vorüberziehen, er hört geradezu: "Komm, folge mir. Du musst dein Leben ändern." Janne Teller, berühmt geworden mit ihren brisanten Jugendbüchern, schreibt ein philosophisches Nachtstück für Erwachsene. Es stellt existentielle Fragen der Ethik: Kann die Kunst die Welt besser machen? Was bedeutet Verantwortung? Wie wollen wir leben?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2012

Mit viel Lob bespricht Rezensentin Sandra Kegel den dritten Roman der dänischen Schriftstellerin Janne Teller, die sie für ihr Talent schätzt, ihre Leser mit großen Fragen zu konfrontieren. In "Komm" folgt sie dem inneren Monolog eines Verlegers, der in einer kalten Winternacht zweifelt, ob er das soeben erhaltene, erfolgversprechende und somit den Verlag rettende Manuskript eines Autors veröffentlichen darf - trotz des Wissens, dass die Geschichte um eine junge Frau, die während ihrer Tätigkeit für die Vereinten Nationen in Afrika von einer Gruppe Männer vergewaltigt wird, einer anderen Autorin seines Verlags widerfahren ist. Über die Fragen, ob man die Schicksale seiner Mitmenschen für die Kunst nutzen darf und ob es überhaupt eine Grenze zwischen Kunst und Moral gibt, gerät der Verleger schließlich in einen Kreislauf des Zweifelns, der auch vor seinem eigenen Leben nicht Halt macht, berichtet Kegel. Fasziniert lässt sich die Kritikerin von diesem "beklemmenden Kammerspiel" in den Bann ziehen - nicht zuletzt dank der glänzenden Übersetzung von Peter Urban-Halle.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.04.2012

Mit einigen literarischen Freuden folgt Rezensentin Barbara Weitzel den Fußspuren, mit denen Janne Teller, ehemalige UN-Botschafterin und Konfliktberaterin der EU, ihren Roman beginnen lässt, ins Herz eines "beklemmenden Kammerspiels". Darin geht es um einen Verleger, dem eine gewisse Petra Vinter nachts den Schlaf raubt, weil sie in einem von ihm verlegten Buch ihre unautorisiert veröffentlichte, aber bestsellertaugliche Lebensgeschichte geschildert sieht. Der Verleger verliert in seinem moralischen Dilemma bald "jeden Boden", so die Rezensentin. Die Lektüre weckt bald ihre eigene "innere Stimme", die unbequeme Fragen zur eigenen Lebensführung stellt. Die Rezensentin ist dankbar und lobt die Autorin, weil sie nicht nur eine Geschichte erzähle, sondern literarische Texte als Erkenntnisinstrumente nutze.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2012

Annett Scheffel kann sich nicht entscheiden, ob das Buch von Janne Teller über einen mit sich selbst und der Frage nach der moralischen Verantwortung von Literatur hadernden Verleger eine Empfehlung wert ist. Einerseits findet sie das Thema der Grenzen künstlerischer Freiheit hochaktuell und von Teller auch atmosphärisch dicht und klug verhandelt. Andererseits gehen die in dem halb als Novelle, halb als philosophischer Essay durchgehenden Buch angestellten kreiselnden Argumentationen der Verleger-Figur ihr mitunter auf die Nerven. Dass Teller das essayistische Thema außerdem mit der Identitätskrise der Hauptfigur verbindet, hätte nach Scheffels Dafürhalten nicht sein müssen.
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