Janet Frame

Wenn Eulen schrein

Roman
Cover: Wenn Eulen schrein
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406630019
Gebunden, 286 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ruth Malchow, neu bearbeitet von Karen Nölle. Janet Frames erster Roman von 1957, der ihren literarischen Ruhm begründete und von den Heimsuchungen einer neuseeländischen Eisenbahnarbeiter-Familie erzählt, wird nach dem großen Erfolg ihres nachgelassenen Romans "Dem neuen Sommer entgegen" in einer überarbeiteten Übersetzung neu vorgelegt.
Die Familie des Eisenbahners Bob Withers in der Kleinstadt Waimaru wird von Unglück und Krankheit geplagt: Eine Tochter, Francie, stirbt durch einen tragischen Unfall, eine andere, Daphne, erkrankt psychisch so schwer, dass sie in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss, ihr Bruder Toby hat epileptische Anfälle. Hinter dem Drama der Familie werden aber auch gesellschaftliche Konflikte sichtbar: Kann man im ganz anders gearteten Kosmos Neuseelands einfach die Werte und Bildungsstandards des weißen Europa vermitteln, ohne Rücksicht auf die angestammte Kultur?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2012

Mit Bewegung und literarischem Sachverstand berichtet Angela Schader über diese Neupräsentation der erstmals schon im Jahr 1961 publizierten Übersetzung dieses Romans. Er vereinigt bereits alle Motive aus Frames autobiografischer Leidensgeschichte, die die Autorin so berühmt machte, erzählt Schader, aber überwölbt von einem bewundernswerten literarischem Gestaltungswillen. Schader erzählt die Geschichte der vier Geschwister des Romans nach, von denen nur eines traurig reüssiert, während die anderen an Epilepsie, Armut und grauenvollen Nervenheilanstalten langsam zugrunde gehen. Lesbar ist diese Düsternis wegen der poetischen Kraft von Frames Blick und der "Funkenwürfe der Reflexion", die selbst alltägliche Gegenstände wie die Pantoffeln der Mutter in ein grelles und malerisches Licht werfen. Und wie soll man einem Eintopf widerstehen, der so beschrieben wird: "Felsen aus Kartoffeln, umstrudelt und überschwemmt von Soße und Fleischfetzen, die sich in ihrer warmen, versunkenen Welt aneinander festhielten"?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.05.2012

Mit großer Anteilnahme und Bewunderung hat Rezensentin Ina Hartwig diesen 1957 als Debüt erschienenen Roman der neuseeländischen Autorin Janet Frame gelesen. Im Mittelpunkt steht eine Familie, die wenig Glück zu haben scheint: eine Tochter verbrennt bei einem Unfall, ein Sohn hat epileptische Anfälle, eine andere Tochter lebt jahrelang in der Psychiatrie und wird mit Elektroschocks behandelt, die jüngste Tochter schließlich beschreibt die Rezensentin als die negativste Figur im Roman: sie wächst zu einer konventionellen Frau heran, die sich für ihre Familie schämt. Kernstück des Buchs ist die Geschichte Daphnes, der psychisch kranken Tochter. Hier zeigt sich Frames ganze Kunst, so die Rezensentin: Wie sie den Wahn beschreibt, die Grenze zwischen Normalität und Krankheit verwischt, das findet Hartwig auch heute noch "schlicht meisterhaft".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2012

Tief beeindruckt von der Anteilnahme der Autorin an ihrem Personal zeigt sich Sabine Doering. Allerdings kommt die Empathie, mit der Janet Frame die Mitglieder eines vom Glück nicht gerade verfolgten neuseeländischen Familienclans begleitet, nicht von ungefähr. Viel Autobiografisches steckt in diesem jetzt als überarbeitete Neuausgabe erscheinenden Debüt von 1957, Doering erläutert die Parallelen anhand von Frames dreiteiliger Autobiografie, insbesondere die Erfahrungen der Autorin in der Psychiatrie, die sie ihrer Hauptfigur mitgibt. Die Prosa gefällt Doering aufgrund des die realistischen Schilderungen immer wieder unterbrechenden lyrischen Tons, Perspektivwechsel verweisen für sie auf gelungene Art auf die Relatitivität des Geschehens. Über allem aber leuchten laut Doering die plastischen Schilderungen einer sehr einfühlsamen Autorin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.04.2012

Sylvia Staude ist eine große Verehrerin der neuseeländischen Autorin Janet Frame, die ihre eigene schreckliche Geschichte in sehr poetische Romane gefasst hat. Auch "Wenn die Eulen schreien" hat die Rezensentin tief berührt. Darin erzählt Frame ebenfalls autobiografisch von einer armen Familie am Ende der Welt, selbst die neuseeländische Provinzstadt Christchurch ist von hier aus unerreichbar weit. Die Familie ist über die Armut hinaus noch mit Unglück, Krankheit und Tod geschlagen. Doch Staude kann kaum glauben, mit welcher Sprachmacht Frame diese traurige Geschichte beschreibt: "Herzzerreißend, hochpoetisch".