Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2000
Roswitha Budeus-Budde weist in ihrer Rezension darauf hin, dass Jana Freys Buch auf Protokollen und Tagebuchaufzeichnungen einer Betroffenen beruht. Die Rezensentin ist mit einem Urteil zwar zurückhaltend, die Schilderung der Erlebnisse des Kindes sprechen jedoch für sich. So wird deutlich, wie sehr sich das Mädchen als Zeugin Jehovas zunächst als "Auserwählte" betrachtete und daher ihrer Außenseiterrolle in der Schule eine zeitlang scheinbar gut verkraftet hat. Schnell wird jedoch auch deutlich, welcher Druck auf das Kind ausgeübt wird, sobald es versucht, die Isolation auch nur ansatzweise zu durchbrechen: `Jehova könnte mich verstoßen`, hat sie von ihrer Stiefmutter gelernt, die sie mit "Schlägen und öffentlichen Demütigungen vor Gemeindemitgliedern bestraft", wenn sie beispielsweise an Schulaktivitäten teilnehmen will. Als die Stiefmutter jedoch "die Verzweiflung einer jungen Frau ausnutzt, um sie als neue Zeugin Jehovas zu gewinnen" regt sich der Widerstandsgeist des Mädchens. Budeus-Budde sieht die "totalitären Mechanismen", die durchorganisierte Kontrolle über das Individuum und die Isolation hier eindringlich wiedergegeben und weist auf das Adressenverzeichnis im Anhang hin, in dem verschiedene Beratungsstellen für Betroffene aufgelistet sind.
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