Patricia Duncker

Der Komponist und seine Richterin

Roman
Cover: Der Komponist und seine Richterin
Berlin Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783827009159
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Auf einer Lichtung im tiefsten Jura stoßen Jäger auf eine Gruppe Toter - neun Erwachsene, sieben Kinder, zu einem Halbkreis angeordnet, im Neujahrsschnee des Jahres 2000. Keine Anzeichen äußerer Gewalt. Ein Bild unheimlichen Friedens. Kommissar Andre Schweigen erkennt das Muster eines Sektenselbstmords, den er fünf Jahre zuvor untersucht hat, gemeinsam mit der Richterin Dominique Carpentier, die auch jetzt sofort zur Stelle ist. Ein altes Buch, in Leder gebunden und mysteriösem Code geschrieben, bringt sie auf die Spur von Friedrich Grosz, einem berühmten Komponisten und Dirigenten. In diesem charismatischen, unbeugsamen Mann findet die Richterin ihren Widerpart. Ein Kräftemessen beginnt, in dessen Verlauf sich Dominique immer tiefer in die Geheimnisse der Sekte verstrickt und die Grenzen ihrer eigenen moralischen Haltung erschüttert werden. Patricia Dunckers Roman führt uns quer durch Europa, die mächtige Bergwelt der Alpen, die Weinberge des Languedoc, Montpellier, Lübeck, London.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2010

Einen Hintersinn möchte Rose-Maria Gropp diesem Buch gar nicht absprechen. Dennoch lässt sie keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Kriminalroman von Patricia Duncker eher um eine Art Benutzeroberfläche mit steifen Dialogen und den gängigen Standards des Genres handelt, als um eine Geschichte, in der der Lebenssaft pulsiert. Zu dieser Vermutung passt die Liebe der Autorin zur Theorie und eine extravagante hoch intelligente Kommissarin mit kleinen Schwächen. Das Drehbuch vermutet Gropp übrigens bereits in Arbeit. Dennoch findet die Rezensentin das Buch spannend und reizvoll genug, um es als "Lehrstück" auf die Trennung zwischen U- und E-Literatur zu begreifen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2010

Patricia Dunckers Romanrezept, das sich aus einem Krimiplot gemischt mit literarischen Verweisen, Bezügen und Anspielungen in spannungsgeladener Atmosphäre zusammensetzt, kann Geschichten von großem Reiz, aber auch gründlich Misslingendes weil allzu Theorielastiges hervorbringen, meint Christoph Schröder. Der vorliegende Roman gehört zu seiner Freude zu den Ersteren, und er erkennt in der Geschichte um eine Sekte, die wegen Mordes ins Visier eines cholerischen Kommissars und einer ganz auf Rationalität setzenden Ermittlungsrichterin gerät, eine großartige Balance zwischen "Pathos und Parodie". Wie die in Manchester Literaturwissenschaft lehrende Autorin mit der Mixtur von "Religiosität, Spiritualität, mittelalterlichen Mystik und naturwissenschaftlichem Brimborium" a la Dan Brown jongliert, versetzt den Rezensenten in helle Freude. Einzige Schwäche ist in seinen Augen, dass Duncker irgendwann die Figur des Kommissars zugunsten des auf der Bildfläche erscheinenden guruhaften Komponisten Friedrich Grosz verschwinden lässt. Das wird aber, wie er findet, durch die brillante Inszenierung der Konfrontation zwischen der ganz der Rationalität verpflichteten Richterin und dem dämonischen Komponisten, die unversehens in "existentielle Tiefe" vordringt, mehr als aufgewogen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.05.2010

Patricia Dunckers Roman "Der Komponist und seine Richterin" erinnert Sylvia Staude mit seinem ausdrucksstarken Personal an die Krimis von Fred Vargas, nur dass die sehr eingenommen wirkende Rezensentin hier eine noch größere Bereitschaft zur Originalität und zu starken sprachlichen Bildern sieht. Überhaupt hält dieser Roman um eine mysteriöse Selbstmord-Sekte, die Richterin Dominique Carpentier mit tatkräftiger Unterstützung ins Visier nimmt, jede Menge treffender Sätze bereit, deren gelungene Formulierung Staude ganz "neidisch" werden lassen. In ihren Augen ist das Buch neben dem fesselnden Krimi ebenso gut ein Liebes- oder philosophischer Roman, der jede Menge tiefgründige Fragen aufwirft, wie sie lobt.
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