Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts laufen den Kirchen in Deutschland die Menschen davon. Religion verliert ihren gesellschaftlichen Rückhalt, doch sie verschwindet nicht. Statt in den traditionellen Institutionen wird sie in neuen Bereichen gepflegt. Für das Bildungsbürgertum etwa erfüllt die Kunst immer mehr die Aufgaben von Religion. Auch Johannes Brahms hat in dieser Situation den Sinn von Kunst und Religion neu befragt: Wie kein zweiter Komponist seiner Zeit arbeitete er mit der Bibel. Eine Auswertung der Lektürespuren in Brahms' Handbibliothek zeigt den Komponisten als Leser Schopenhauers, Nietzsches, Luthers und der Bibel. War Brahms nun ein "gottloser Ketzer" oder ein "tief frommer Mann"? Jan Brachmann gibt darauf keine Pauschalantwort. Sein Buch sucht vielmehr nachpolitischen und religionsgeschichtlichen Zusammenhängen ebenso wie nach musikalischen und biografischen Details.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2004
Der mit "rur" zeichnende Rezensent ist überzeugt von Jach Brachmanns "sehr vielschichtiger" Arbeit, die das Verhältnis zwischen Religion und Musik bei Brahms untersucht, sich dabei aber auf keinerlei "Pauschalantworten" einlässt, gerade weil er es als grundsätzlich problematisch ansieht, "über Wirklichkeitsbereiche zu reden, die wissenschaftlich schlechterdings unzugänglich scheinen". Besonders hat den Rezensenten dabei beeindruckt, wie Brachmann die Problematik in ihrer ganzen Vielfalt erfasst und sowohl "politische und religionsgeschichtliche Zusammenhänge" als auch "musikalische und biografische Einzelheiten" beleuchtet. Dazu dienen ihm unter anderem auch "Lektürespuren" aus Brahms' Handbibliothek, die eine intensive Beschäftigung mit Schopenhauer, Nietzsche, Luther und der Bibel belegen.
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