Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Zwischen Afghanistan und Amerika: Jamil Jan Kochai erzählt Familien- und Kriegsgeschichte. Ein afghanischer Teenager, der beim Videospielen in seinem kalifornischen Kinderzimmer versucht, den eigenen Vater in den virtuellen Welten vor der sehr realen Folter zu bewahren. Eine junge Frau in Kabul, die in letzter Sekunde für ihre Schwester bei der Zwangsheirat einspringt. Eine Gruppe Studenten, die sich solidarisieren im internationalen Kampf gegen die Unterdrückung, bis aus den akademischen Idealen bitterer Ernst wird. Ein amerikanischer Kampfpilot, der notlanden muss in dem afghanischen Dorf, das er eigentlich zerstören sollte. Oder der kalifornische Einwanderungsbeamte, der eine afghanische Familie ausspioniert, bis sie ihm so ans Herz wächst, dass er in einem entscheidenden Augenblick seine Pflichten vernachlässigt… Jamil Jan Kochai erzählt direkt aus dem Wahnsinn unserer Gegenwart.
Rezensent Valentin Wölflmaier sieht Jamil Jan Kochais neue Erzählungen in der Tradition der Post-9/11-Literatur eines Don DeLillo oder Moshin Hamid, die nach den Anschlägen das Selbstbild der USA zwischen bedrohtem Liberalismus nach innen und "aggressiv durchgesetztem Freiheitsbegriff" nach außen, nicht selten zu Lasten plötzlich unter Generalverdacht stehender Muslime, untersuchten. Gerade gegen letzteres schreibt auch der pakistanisch-englische Autor Kochai an, wenn er in diese Stories erzählt, wie Afghanistan durch die Kriege seit den 1970er Jahren geprägt wurde, klärt uns der Kritiker auf. Im Wesentlichen problematisiert der Autor den westlichen Blick auf Afghanistan, aber er macht das klug, nie "agitatorisch" und literarisch anspruchsvoll, versichert Wölflmaier: So flicht Kochai fantastisch-surreale Momente in seine Erzählungen ein, etwa wenn in einer Geschichte ein vom Himmel fallender US-Kampfpilot in einem afghanischen Dorf plötzlich eine Ziegenherde eigenhändig zu vermehren vermag. Nicht zuletzt ist es die Sprache, die etwa Farsi oder das afghanische Patscho, und Soziolekte ineinanderfließen lässt, die den Rezensenten beeindruckt. Sein Lob findet auch die Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence.
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