James Gordon Farrell

Singapur im Würgegriff

Roman
Cover: Singapur im Würgegriff
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783957572516
Gebunden, 828 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Manfred Allié. Singapur 1937. Walter Blackett, Direktor eines britischen Kautschukunternehmens, weiß sich von der bewährten Ordnung britischer Kolonialherrschaft getragen, als er die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum seiner Firma ausrichtet. Noch ist die Welt, zumindest für die Engländer, in Ordnung, haben die Da Dousa Sisters ihre Gesangsauftritte, ist der zerzauste Hund La Condition humaine nur halbtot und gibt es standesgemäße Paraden und Feste. Und doch scheint am Vorabend des Zweiten Weltkriegs im Inselstaat einiges in Schieflage geraten zu sein : Kaum ist ein Streik der Einheimischen niedergeschlagen, flammt er an anderem Ort wieder auf, Walter Blacketts Sohn engagiert zur Abendunterhaltung ausgerechnet einen Fakir, seine Tochter Joan tändelt mit den falschen Verehrern, während der junge Matthew, Oxfordstudent und rechtmäßiger Erbe der Firma, sich als naiver Weltverbesserer erweist. Das Geschäft mit dem Kautschuk boomt, nicht zuletzt wegen des Weltkriegs und der Marktmanipulation durch Blackett selbst, doch als japanische Flieger das völlig unvorbereitete Singapur bombardieren, kann der Schock größer nicht sein. Während Matthew herauszufinden versucht, was es mit dem "Würgegriff von Singapur" auf sich hat, ist der Mythos von der Uneinnehmbarkeit Singapurs bereits brutal zerschlagen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2018

Was für ein Meisterwerk, meint Rezensent Wolfgang Schneider angesichts von James Gordon Farrells Roman. Manfred Allies Übersetzung macht den Genuss der Lektüre dieser Kolonial- und Unternehmer-Geschichte aus Singapur für ihn komplett. Neben "Buddenbrook-Momenten" mit allerhand humoristisch gezeichneten Nebenfiguren bietet ihm das Buch historische Genauigkeit bei der Schilderung der Schlacht um Singapur, Witz, Esprit und überlegenes auktoriales Wissen. Auch wenn es der letzte Teil von Farrells "Empire"-Trilogie ist, liest sich das Buch auch gut für sich, meint Schneider.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2017

Harald Eggebrecht schätzt den scharfen Blick, den nie anklagenden treffenden Ton und das hohe Maß an (mitunter allerdings ironischer) Empathie, das der Autor für seine Figuren aufbringt, an James Gordon Farrells drittem Teil seiner Empire-Trilogie. Der "Riesenroman" um eine britische Handelskette in Singapur zur Zeit der Eroberung der Stadt durch die Japaner 1942, um koloniale Dünkel und die Missgeschicke seiner Protagonisten öffnet Eggebrecht die Augen darüber, was es mit dem Brexit auf sich hat, wie koloniale Haltungen und Vorstellungen auch heute noch wirken. Dass der Autor den kriegerischen Teil des Buches nicht überbetont und bei seiner Leichtigkeit, bei seinen Figuren und bei ihrer oft unfreiwilligen Komik bleibt, ist für den Rezensenten eine Leistung.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2017

Mit großer Begeisterung hat Tobias Sedlmaier den Abschluss von James Gordon Farells Empire-Trilogie gelesen, der nach den Bänden über Irland und Indien - von "Singapur im Würgegriff" in den Blick nimmt. Farell erzählt die Geschichte einer alten englischen Handelsfirma in Südostasien, für die sich Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre kein rechter Nachfolger findet will. Vor allem aber präsentiert der Autor ein hinreißendes Tableau spätkolonialistischer Verblendung, an dem sich Sedlmaier gar nicht satt lesen kann: machtbewusste Politiker, geltungssüchtige Militärs und profithungrige Expats übertreffen sich in ihrem "dekadenten Egoismus". Besonders nimmt den Kritiker für Farell ein, dass er seinen Figuren durchaus mit distanziertem Spott begegnet, aber er stellt sie nie bloß. Literarisch sieht Sedlmaier den Autor einem Joseph Conrad ebenbürtig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2017

Rezensent Frank Junghänel ist begeistert vom Geschick, mit dem James Gordon Farrell die Handlung des dritten Romans seiner "Empire Trilogy" zwischen den zwei Polen "Politökonomie und Paarungsverhalten" hindurch manövriert und dabei keinen Moment lang den Humor verliert. Mitreißend charakterisiere Farrell das Leben der britischen Kolonialisten in Singapur anhand eines Familienunternehmens, dessen Untergang sich schleichend anbahnt und schließlich mit der Eroberung Singapurs 1941 seinen unaufhaltsamen Lauf nimmt. Da wird angekauft und verkauft, da werden ganze Landstriche planiert und traditionelle Bauern zu Saisonarbeitern gemacht, da wird geheiratet, gesoffen, gespielt und geliebt, lesen wir. Ein ebenso komisches wie auch erschreckendes Buch, nicht zuletzt wegen seiner überraschenden Aktualität, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.03.2017

Alan Posener sieht seine persönlichen Kindheitserfahrungen in Kuala Lumpur in James Gordon Farrells Singapur-Roman literarisch verdichtet und bestätigt. Wie eine "proustsche Madeleine" erscheint ihm der Roman, der ihm am Schicksal der Gummi- und Alkohol-Handelsfirma Blackett und Webb vom Singapur am Vorabend der japanischen Eroberung 1941 erzählt. Wie der britische Autor, der selbst nur kurz zu Recherchezwecken in Singapur war, in diesem letzten wuchtigen Teil der Trilogie die tropische Welt "sinnlich" erfahrbar macht, ein ganzes Ensemble kurioser Gestalten in der kolonialistischen Szenerie entwirft und in "absurden", tragikomischen Szenen vom Leben in einer multikulturellen Gesellschaft erzählt, hat den Kritiker tief beeindruckt.
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