Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Sven Koch. James Agee durchwandert schreibend Brooklyn: von den alten Stadtteilen im Nordwesten mit ihren Backsteinhäusern über die Brooklyn Bridge und durch die Arbeiterviertel bis in die Hinterhöfe. Er dringt in Wohnzimmer ein, lässt sich in einem Kinosaal nieder, beschreibt Straßenszenen und mit wenigen Sätzen ganze Menschenleben. Durch alles scheinen die historischen Schichten hindurch - und mit der genauen Schilderung noch der nebensächlichsten Details formt sich ein großer Gesang. Ein Text, der das Wesen eines Stadtviertels erfasst und bis heute nichts von seiner Kraft und Wahrheit verloren hat. Das Porträt Brooklyns, 1938 im Auftrag des Fortune Magazine geschrieben, erschien aufgrund künstlerischer Differenzen erst 1968 und ist inzwischen ein Klassiker der New-York-Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Ein recht düsteres Bild dieses Stadtteils von New York zeichnet James Agee hier, konstatiert Rezensent Jörg Häntzschel, der zunächst darauf hinweist, dass dieser vierzigseitige Text von 1949 66 Jahre lang in der Schublade ruhte, bevor er von einem New Yorker Verlag wieder ans Licht gezogen wurde. Die Zeitschrift Fortune, die Agee mit der Reportage beauftragt hatte, fand den Text laut Häntzschel wohl zu stark, um ihn zu drucken. Mit scharfer Wahrnehmung zieht Agee durch die endlosen Blöcke Brooklyns, wo bis heute die eigentlichen New Yorker leben, so Häntzschel, lässt die "gesichtslosen Appartmentblocks, die in ihrem eigenen Schatten frösteln", an sich vorbeiziehen, entwickelt Sympathie für die Bewohner, aber wird niemandes Freund.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2012
Silvia Prahl freut sich sehr, dass diese Notizen James Agees nun auch auf Deutsch erschienen sind. Sie weiß, dass man auf die besten Stücke dieses Autors schon immer lange warten, denn oft genug fanden seine Auftraggeber nicht druckbar, was Agee ablieferte. So seine Reportage über die Große Depression "Let us Praise Now Famous Men", so auch seine Brooklyn-Berichte. Prahl findet es mitreißend und von geradezu filmischer Qualität, wie Agee die einzelnen Quartiere des Bezirks beschreibt (den er absolut provinziell und eigenschaftslos findet). Etwas überzogen findet sie seine karikaturhafte Zeichnung der Reichen und Schönen, auch wenn sie gut verstehen kann, dass ihm die "Oberschichtskosenamen aus dem Bereich des Nautischen" gegen den Zeiger gingen.
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