Claassen Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783546101592 Gebunden, 656 Seiten, 29,00
EUR
Klappentext
Heruasgegeben und mit einem Nachwort von Peter Graf. Über die Kraft der Menschlichkeit in dunkelster Zeit Paris, 1939. Edvard und Rahel erwarten ein Kind. Nichts wünschen sie sich mehr als das ihr "Knirps", wie sie ihn liebevoll schon vor der Geburt nennen, in Frieden aufwächst. Ihr Wunsch verhallt in der Welt, in der sie leben. Seit ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland haben sie im Pariser Quartier ein neues Zuhause gefunden. Doch die Angst vor dem Krieg zersetzt ihr Viertel. Es herrscht ein Klima des Misstrauens, das junge Paar wird denunziert, und während ihr Sohn zur Welt kommt, wird Edvard interniert und in das Lager "La Macabre" gebracht. Er kann sich befreien, doch ist es für die drei ein weiter und gefährlicher Weg bis nach Lissabon, von wo aus sie auf ein Schiff nach New York gelangen wollen.Iwan Heilbuts kraftvoller Roman, der bis heute auf Deutsch unveröffentlicht blieb, zeichnet ein erschütterndes Bild von der klaustrophobischen Enge in der französischen Metropole, die einst Rettung versprach und über Nacht zur Hölle wird für diejenigen, die vor den Nazis geflohen sind. Doch Zugvögel ist auch die Geschichte einer unerschütterlichen Hoffnung auf eine Zukunft jenseits des Terrors.
Ausführlich widmet sich Rezensentin Sigrid Brinkmann dem großen Exilroman Iwan Heilbuts, der mit 83 Jahren Verspätung nun auch auf Deutsch erscheint: Der Autor selbst ist 1933 nach Frankreich und von dort aus 1940 weiter in die USA geflohen, diese Eckdaten teilt sein Protagonist Edvard mit ihm. Die Romanhandlung setzt im Sommer 1939 ein, Edvard und seine Frau Rahel werden Eltern, kurz darauf soll Edvard in einem Lager namens "La Macabre" interniert werden. Heilbut schreibt berührend, mit Lebensfülle und "literarischer Reinheit" davon, wie wichtig das Kind für die Eltern ist, so die Rezensentin. Jüdische Figuren gibt es in dem Roman erstaunlich wenige, wundert sich die Kritikerin, quasi-dokumentarisch berichtet der Autor über die Lagerrealität, darüber, wie Frankreich einknickt und über "den entsetzlichen Erdteil als Ganzes", der den Deutschen unterworfen ist. Ein kraftvoller Roman über das Exil, dessen Autor Brinkmann unbedingt wünscht, wiederentdeckt zu werden.
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