Was kann ein Rätoromane tun, um Europäer zu werden? Was eigentlich ist ein Europäer, was sind die wahren Werte und Haltungen, auf die man sich in Europa tatsächlich einigen kann, und wo und durch wen sind sie exemplarisch vorgelebt worden? In seinem Buch umspielt Iso Camartin dieses Thema, indem er anhand von Porträts - von Francois Bondy, aber auch Giordano Bruno -, und von Betrachtungen über Orte, Dinge, Wörter und Gebräuche Lebenswelten und Lebenseinstellungen plastisch werden lässt. Er schreibt über das Rauschen des Rheinwassers, über eine Hausbibliothek in der Provinz, über Wortgeschichte, über Erasmus von Rotterdam und Pieter Bruegels Affen und plädiert für einen europäischen "Heimatschein".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2006
Froh ist Thomas Medicus, dass Iso Camartins Buch über Europa nur 128 Seiten hat. Viel erfahre der Leser nämlich nicht zu der Frage "Was tut ein Rätoromane, um Europäer zu werden?", die der Ausgangspunkt von Camartins Gedanken zur kulturellen Besonderheit des Kontinents Europa und seiner ethnischen Vielfalt ist. In "erbaulicher Feierabendprosa" schwadroniere der Autor über Gott und die Welt, Hausbibliotheken, Euripides, Sprachteppiche, Sartre und Camus und "was da sonst noch so an Blümelein zu pflücken" ist. Am Ende der Lektüre hat der Rezensent lediglich erfahren, dass den Graubündener Rätoromanen Europa, "und zwar ein durch und durch aufgeklärtes Europa sozusagen im Blut liegt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2006
Iso Camartin habe nicht einfach nur eine der üblichen Apologien europäischer Werte geschrieben, lobt Rezensent Georg Kreis, nein, Camartin beherrsche die Kunst, diese Beschwörungen auch "Fleisch und Blut" werden zu lassen. In den teilweise schon veröffentlichten Texten tauchen Leitfiguren wie Giordano Bruno und Francis Bacon neben weniger bekannten auf. Es geht um Sprachenvielfalt oder Bibliotheken und immer wieder um die "himmlische Kraft" der Musik. Als den Europäer überhaupt, gibt der Rezensent mit patriotischer Freude zu Protokoll, feiert Iso Camartin aber Francois Bondy, und erinnere so nachdrücklich daran, was Europa und nicht zuletzt die Schweiz diesem Intellektuellen zu verdanken habe.
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