Irmgard Keun

Kind aller Länder

Roman
Cover: Kind aller Länder
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462048971
Gebunden, 224 Seiten, 17,99 EUR

Klappentext

Irmgard Keun lässt die zehnjährige Kully von ihrem aufregenden Leben in der Emigration erzählen. Ihr leichtfertiger, spiel- und verschwendungssüchtiger Vater steckt als Schriftsteller ständig in Geldnöten, die liebevolle Mutter ist oft mit der Tochter allein und amüsiert sich anderweitig. Da seine Bücher in Deutschland verboten sind, lebt der Vater von Zeitungsartikeln und immer neuen Vorschüssen seiner Auslandsverlage - und ist ständig auf der Jagd nach Bargeld. Seine Beschaffungstouren führen ihn quer durch Europa, von Brüssel über Lemberg nach Prag, Paris, Nizza und sogar nach New York. Mutter und Tochter lässt er meist in Hotels zurück, wo Rechnungen zu begleichen und ständig Ausreden gefordert sind. In einem kindlich-naiven Erzählton nimmt Kully uns in ihr rast- und heimatloses Leben mit und gibt tiefe Einblicke in die Situation der Emigranten in Europa. Gleichzeitig ist dieser Roman, erstmals erschienen in Amsterdam 1938, ein anrührendes Porträt des Paars, das Joseph Roth und Irmgard Keun einmal waren, und von dem Volker Weidermann in seinem Buch "Ostende. 1936, Sommer der Freundschaft" so lebendig erzählt hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2016

Rezensentin Ina Hartwig ist glücklich, dass dieses "kleine Meisterwerk" von Irmgard Keun neu aufgelegt worden ist. Gründe dafür gibt es viele, fährt die Kritikerin vor: Zum einen besticht der Roman einmal mehr durch Keuns lakonischen, "naiv-schnippischen" und sinnlichen Erzählton, den sie hier erstmals auf die Perspektive eines Kindes anwendet. Ebenso gebannt wie gerührt folgt Hartwig der kleinen Kully, die in einer Künstlerfamilie aufwächst, die Geldnöte des Schriftstellervaters und die Scham der Mutter miterlebt und mit ihren Eltern während des Zweiten Weltkriegs durch verschiedene Hotels in Europa vagabundiert. Zum anderen erscheint der Rezensentin der Roman überraschend aktuell, denn Keun schildert nicht zuletzt die Situation von Emigranten, die schutzlos und hungrig durch die Fremde ziehen. Dieses hinreißende Stück Literatur kann die Kritikerin nur unbedingt empfehlen.
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