Aus dem Englischen Reinhard Kaiser. "Wenn du dich in New York kurieren willst, wieso fliegst du dann nach Miami?" Dieses Buch erzählt die empfindsame Reise Clarissas nach Hause und ist gleichzeitig ein Wegweiser durch einen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Ein klassischer Anlass, zu reisen, sind Sorgen. Clarissa ist eine junge amerikanische Emigrantin, die sich dummerweise in den falschen Mann verliebt. Mehr als zehn Jahre hat sie in Europa verbracht, ohne auch nur einmal nach Hause zu fahren, hat ihr Leben sehr genossen und hatte gar keine Zeit, Amerika zu vermissen. Aber Liebeskummer bringt sie dazu, spontan in ein Flugzeug zu steigen, um sich in New York zu kurieren. Sie landet mitten in einem erhitzten Wahljahrsfrühling, und im Verlauf ihres Aufenthalts wird es Sommer. Sie interessiert sich ganz und gar nicht für Politik, aber der Zufall will es, dass sie immer wieder tief in die Wahlschlacht hineingerät. Und dabei ist es gerade ihr völliges Desinteresse, das sie Dinge sehen lässt, die niemand anders wahrnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2009
Kristina Maidt-Zinke hat sich, so scheint es, mit Irene Disches Roman "Clarissas empfindsame Reise" ziemlich gut amüsiert, auch wenn sie darauf hinzuweisen müssen glaubt, dass man sich vom Titel nicht in die Irre führen lassen darf. "Empfindsam" sei die Ich-Erzählerin, in jungen Jahren wegen eines "Sex-Skandals" nach Deutschland geschickt, von wo sie wegen Liebeskummer zum ersten Mal wieder nach Amerika zurückkehrt, nämlich wirklich nicht, versichert die Rezensentin. Es handelt sich vielmehr um eine "satirische Reise" im Jahr der jüngsten Präsidentenwahl mit jeder Menge Spitzen gegen den Literaturbetrieb und so mancher leicht zu erkennenden Schlüsselfigur des öffentlichen Lebens, so die Rezensentin vergnügt. Und wenn die Heldin am Ende ihren Vater in New York trifft, so taucht damit nicht nur die bekannte Verbundenheit Disches zu ihrem Vater auf, sondern dann rührt diese so gar nicht empfindsame Reise sogar, wie die Rezensentin einräumt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2009
Keine Frage: Rezensentin Sandra Kegel ist enttäuscht. Irene Dische, deren Qualitäten sie durchaus zu schätzen weiß, schreibt hier für die Begriffe der Rezensentin ganz eindeutig unter ihrem Niveau. Nicht, dass es an guten Beobachtungen und "erzählerischen Einfälle" ganz und gar fehlt; die Rechnung, sich dem Gegenwarts-Amerika mit diesem satirischen Roman zu nähern, gehe dennoch nicht auf. Zum einen, weil Dische der Gefahr des "Aktualismus" nicht entkomme. Manche Szene aus dem Obama-Wahlkampf sei nun, zur Veröffentlichung, längst überholt. Es kommt dazu, dass manche satirische Wendung es sich mit den kritisierten Figuren und Zuständen allzu leicht macht, so Kegel. Etwa wenn ein als Ehemann Sarah Palins erkennbares "bärenmordendes Mannsbild" unversehens zum Beinahe-Vergewaltiger werde.
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