Ingo Niermann, Alexander Wallasch

Deutscher Sohn

Roman
Cover: Deutscher Sohn
Blumenbar Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783936738759
Gebunden, 270 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Der invalide Afghanistanheimkehrer Toni lebt mit einer offenen Wunde im ehemaligen Zonenrandgebiet Niedersachsens. Sein Tagesablauf wird bestimmt von Verbandswechseln und schmerzlindernden Opiaten, Web-Porno, Traumatherapie und psychedelischen Alpträumen. Seine Freunde in der Nachbarschaft sind sympathische Messies, und die höchste Erhebung weit und breit ist ein Müllberg. Sein Leben ändert sich, als er die 19-jährige Helen kennenlernt, und sie sich gemeinsam in immer extremeren Sextechniken erproben. Zugleich wird er von einer heidnischen Sekte zum Heilsbringer erklärt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2010

Ablehnend äußert sich Rezensent Jan Süselbeck zu Ingo Niermanns und Alexander Wallaschs Roman "Deutscher Sohn". Die "ultimative Provokation" haben die Autoren seines Erachtens im Sinn mit ihrer Geschichte um den in Afghanistan verletzten, heimgekehrten Bundeswehrsoldaten Toni, dessen Wunden nicht heilen wollen, während er Schmerzmittel einnimmt, Bier säuft, Porno-Seiten im Netz goutiert und mit der 19-jährige Pflegepraktikantin Helen bei Wagner-Klängen extremen Sex praktiziert. Das Ganze kommt Süselbeck vor wie eine krasse "Feuchtgebiete"-Version von Thomas Manns Novelle "Wälsungenblut". Dass Toni einer Sippe von gläubigen Rassenesoterikern entstammen soll, die in ihm eine Art Heiland sehen, dass allerlei rassistischer und frauenfeindlicher Unsinn verzapft wird, macht Süselbeck dann sichtlich ärgerlich. Egal, wie man die Sache liest - womöglich handelt es sich nur um eine Halluzination - letztlich, so der Rezensent, können sich NPD-Wähler mit diesem Buch ebenso anfreunden wie "Popliteraturdandys".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2010

Schön, dass sich endlich jemand des Themas "Deutschland im Afghanistankrieg" annimmt. Unschön, dass es so geschehen musste, wie es hier geschieht. Dieser Roman nämlich, Rezensent Richard Kämmerlings sagt es mit einem so schlichten wie klaren Wort, ist: "schlecht". Obwohl er starke Passagen hat. Etwa wie die beiden Autoren ihren an Körper und Geist schwer lädierten Helden als nach der Rückkehr allein und vor allem masturbatorisch aktiv schildern, ohne ihm ihre Sympathie zu versagen, das ist, so Kämmerlings, überzeugend. Schnell aber stellt sich für ihn heraus, dass Ingo Niemann und Alexander Wallasch das ernste Thema an einen intertextuellen Jux mit Bezügen zu Charlotte Roches "Feuchtgebieten" verschenken. Die Querbezüge sind aufdringlich, der pornografischen Passagen sind viel (viel viel) zu viele, klagt der reichlich verärgerte Rezensent und mit den verzweifelt gesucht wirkenden Mitteln der Kolportage lasse sich schon gar nichts mehr retten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.09.2010

Mit großem Ärger wirft Carolin Emcke diesen ersten Roman über deutsche Afghanistan-Veteranen als "erbärmliche Lektüre" in die Ecke - ein aus ihrer Sicht "pseudotestosterongeladenes Buch", dessen Autoren für ihren Geschmack außerdem allzu viel Kalkül durchscheinen lassen, mit einem gut vermarktbaren Stoff einen popliterarischen Coup landen zu können. Alles sei ordnungsgemäß recherchiert ("vielleicht bei Google") und perfekt gemischt. Trotzdem wirken die "narrativen Bemühungen", dem Schmerz der Soldaten näher zu kommen, entsetzlich peinlich auf sie. Insgesamt hat die Kritikerin den Verdacht, die Autoren hätten mit ihrem pop-pornografischen Kriegsroman Charlotte Roches "Feuchtgebiete" toppen wollen. Doch bringen sie für Emcke mit dieser "schlecht geschriebenen Banalität" nur verklemmte Sentenzen und einen schwülstigen Sprachduktus aus der Welt der "Pop-, Kommunikations- oder Werbebranche" hervor. Je länger die Kritikerin sich mit den Sexfantasien und Onanie-Bemühungen der Romansoldaten herumschlagen muss, desto stärker wird ihr Eindruck, Ingo Niermann und Alexander Wallasch hätten sogar die Sexpassagen im Internet recherchieren müssen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.08.2010

Christopher Schmidt preist schon einmal diesen nächste Woche erscheinenden Roman von Ingo Niermann und Alexander Wallasch an, der dem Rezensenten das ganze Elend des Afghanistankrieges vor Augen führte. Dabei geht es weniger um den Krieg oder Afghanistan, wie wir Schmidts Darstellung entnehmen, sondern um einen invaliden Heimkehrer, der nun an seinen "Multifunktionssessel" gefesselt ein frustrierendes Dasein fristet, über das ihn die Sexspielchen mit der Pflege-Praktikantin hinwegtrösten. Diese Helen ist wie auch ihr Chef, der Äthiopier Kanell, dem Rezensenten aus Charlotte Roches "Feuchtgebieten" bekannt, womit auch klar wird, in welche Richtung der Roman geht: Schmidt jubelt über diese gelungene Kombination aus "Kriegstrauma und Pornografie", aus Trash und Tragik, weil ja schließlich der Krieg selbst anstößig sei, und genau dies hat ihm dann dieser von Schmidt als "groß" titulierte Pop-Roman auch bewiesen: Wir haben in Afghanistan nichts zu suchen.
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