Zwischen 2001 und 2014 erschienen in Deutschland gleich mehrere Auto/Biografien überführter Hochstapler, begleitet von zahlreichen Zeitungsberichten, die Fälle und Figuren einordneten und verbreiteten. Zeitgleich befeuerten der männlich konnotierte Hochstapler sowie die Täuschung als kulturelle Figuren populäre Gesellschaftsdiagnosen und -kritiken. Inga Klein analysiert medientheatrale Fremdzuschreibungen und strategische Selbstpositionierungen mit Blick auf die Verflechtung von Etikettierungsprozessen, Wertzuschreibungen und Inszenierungshandeln. Damit wird Hochstapelei als medienkulturelle Figuration greifbar, die zwischen normativer Abweichung und Anerkennung sowie zwischen moralischer Problematisierung und Popularisierung oszilliert.
Rezensent Michael Meyer scheint zu gefallen, wie Inga Klein in ihrem Buch über das Phänomen der Hochstapelei aufklärt. So liest er etwa, dass sich der Hochstapler selbst völlig zu einem anderen verwandeln wolle, während der Betrüger immer er selbst bleibt. Auch Meyers Betonung des Umstands, dass der eigentliche Erfolg des Hochstaplers erst nach dem Auffliegen eintrete, weil dann nämlich heiß begehrte Aufklärungsinterviews und -bücher stattfinden können, und sei es aus dem Gefängnis, scheint dem Kritiker wertvoll. Außerdem schätzt er die Bandbreite an Beispielen (darunter der Promi-Interview-Erfinder Tom Kummer oder der vermeintliche Arzt Gerd Postel) sowie Kleins "durchaus umfassende" Darstellung. Die Haupteinsicht ist für ihn am Ende, dass die Hochstapelei gesellschaftlich und medial nicht nur verurteilt, sondern auch heute noch von einer verstohlenen "Faszination" begleitet wird. Über die tiefere Argumentationsstruktur oder Thesen von Kleins Arbeit erfährt man allerdings nicht so viel.
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