Klappentext

Neugier und Leidenschaft verbünden sich, wenn die Kritikerin und Philologin Ina Hartwig über Literatur nachdenkt. Ob es um zärtliche Männer geht, die Abgründe des 20. Jahrhunderts, um die amüsanten Seiten der '68er oder den Glanz der Libertinage: Ihre Essays verbinden analytische Klarheit mit sprachlicher Brillanz, intellektuelle Offenheit mit zeitgeschichtlichem Interesse. Nicht der literarische Kanon steht im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit, sondern die passionierte Suche nach den Möglichkeiten und Grenzen des Sagbaren in der Literatur. So bietet dieser Band das sehr persönliche Lektüreprotokoll einer herausragenden Kritikerin und gleichzeitig die erfrischend unkonventionelle Bestandsaufnahme einer Literatur, die hineinreicht in die unmittelbare Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2012

Rezensent Rainer Moritz hat diese Essays und Rezensionen der Literaturkritikerin Ina Hartwig, die ursprünglich in der Frankfurter Rundschau und im Merkur erschienen sind, recht freundlich aufgenommen. Sie scheinen ihm auch heute noch lesenswert, erinnern sie in ihren Themen doch an vergessene Schriftsteller wie Marie Luise Kaschnitz oder an hitzige Debatten der Kulturkritik. Lobend erwähnt er die Texte über Proust und Genet, die sich durch "subtile Analysen" auszeichnen. Das primäre Interesse Hartwigs sieht Moritz vor allem bei der deutschsprachigen und französischen Literatur. Kritisch merkt er an, dass die meist "wohlgesinnte" Kritikerin oft zu wenig kritisch ist und zu viel lobt und preist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2012

Joseph Hanimann empfiehlt allen Zweiflern an dem Nutzen von Literaturkritik diese gesammelten Schriften von Ina Hartwig. Ihre Texte in "Das Geheimfach ist offen" beschreibt er als genaues Gegenteil von voreiligen Meinungen, des "Entweder-oder-Reflexes per Smiley-Click" oder eines aufdringlichen "Ich" des Kritikers. Die Kritiken der ehemaligen Literaturchefin der Frankfurter Rundschau umfassen vor allem Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts, von diesen allerdings einige: unter anderem Benn, Döblin, Duras, Handke, Heiner Müller und Marcel Proust. Hier und da würde der Rezensent der Autorin nicht zustimmen, manche ihrer Querverbindung findet er wackelig. Insgesamt gehören für Hanimann aber auch sie zu dem besonderen Charme der Kritikerin. Der Rezensent sieht in Ina Hartwig eine Repräsentantin einer Generation von Literaturwissenschaftlern, die den Umbruch zum Poststrukturalismus und zur Textimmanenz miterlebt haben, die aber die Bedeutung des Biografischen wieder für sich entdeckt haben. Die Biografien könnten historisierenden und feministischen Interpretationen ein "schockierendes Korrektiv" gegenüberstellen, beschreibt Hanimann die Wirkung ihrer Perspektive, und das ganz ohne jedes "wissenschaftliche Begriffsklirren".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2012

Gegen die Literaturkritiken eines Alfred Kerr oder Marcel Reich-Ranicki, die ihrem Publikum nüchterne philologische Überlegungen und "ästhetisches Geheimwissen" ersparen, hat Rezensent Friedmar Apel gar nichts einzuwenden. Dennoch muss der Kritiker nach der Lektüre von Ina Hartwigs Kritikband "Das Geheimfach ist offen" feststellen, dass diese weniger auf Populismus und dafür umso mehr auf "elitäre Egalität" mit dem Leser zielenden Texte der früheren Literaturredakteurin der "Frankfurter Rundschau" eine erfreuliche Abwechslung sind. Denn Hartwig gelinge es ohne Arroganz und Fachjargon, aber mit philologischem Handwerk und Neugier gelösten und ungelösten Fragen und Entdeckungen der untersuchten Werke nachzuspüren. Und so erfährt der Kritiker etwa, weshalb Goethe seinen überzeugten Vegetarier Werther an das Schlachten und Braten von Schweinen denken lässt und wie weit sich dieses Motiv des Begehrens bis zum blutigen Ende des "Werthers" zieht. Hartwigs Texte sind klar geschrieben und zugleich eine wunderbare Herausforderung für den Leser, lobt der erfreute Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.06.2012

Judith von Sternburg ist äußerst angetan von Ina Hartwigs Feuilleton-Sammlung "Das Geheimfach ist offen" - kein Wunder, immerhin war die Autorin lange Jahre Literaturchefin der Frankfurter Rundschau. Dort ist auch der größte Teil der in diesem Band versammelten Rezensionen und Reflexionen erschienen. Ihre für die Tagespresse entstandenen Artikel der Versenkung entrissen und in einer gebundenen Sammlung haltbar gemacht zu finden, sei der Traum aller Zeitungskritiker, bekennt die Rezensentin und bescheinigt ihrer Ex-Chefin, dass deren Texte "tatsächlich dem Druck zweier Buchdeckel standhalten".