Ilse Molzahn

Der schwarze Storch

Roman
Cover: Der schwarze Storch
Wallstein Verlag, Göttingen 2022
ISBN 9783835351356
Gebunden, 376 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Thomas Ehrsam. Mit neun Abbildungen. Ein Jahr um 1900 in der damaligen deutschen Provinz Posen und ein kleines Mädchen, Katharina, etwa sechs Jahre alt, Tochter eines Gutsbesitzers. Dazu ein schwarzer ausgestopfter Storch, der unheilvoll über dem Esstisch der Familie schwebt. Katharina ist die Tochter des Gutsbesitzers und - ungewöhnlich genug - selbst die Erzählerin. Ilse Molzahn leiht ihr eine bezaubernde und einfache Sprache, die vieles offen lassen muss, denn das Mädchen ist mit einer Erwachsenenwelt und Vorgängen konfrontiert, die es nicht verstehen und nicht immer benennen kann: die scharfe Trennung von Herrschaft und Gesinde, das archaisch ländliche Leben, aber auch Missbrauch, Schwangerschaft, Abhängigkeiten, Rohheit und Gewalt. Von den Eltern, der fromm-bigotten Mutter und dem draufgängerischen Vater, ist keine Erklärung zu erwarten. Einzig in dem Dienstmädchen Helene findet Katharina eine Vertrauensperson. Doch Helene ist plötzlich verschwunden, gestorben bei einem Abtreibungsversuch.
Der Roman erschien erstmals 1936, eine zweite Auflage wurde von den Nazis wegen "Herabsetzung des deutschen Junkertums" verhindert. Die Neuausgabe wird von Thomas Ehrsam mit einem umfangreichen Nachwort zur Entstehungs- und Publikationsgeschichte unter Berücksichtigung der Biografie der Autorin bereichert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2022

Rezensent Lerke von Saalfeld entdeckt die 1895 in der Provinz Posen geborene Schriftstellerin Ilse Molzahn. Der von Thomas Ehrsam in der Originalfassung von 1936 herausgegebene und kommentierte, autobiografisch grundierte Debütroman der Autorin entführt Saalfeld in die Welt eines Posener Gutshofs um 1900. Erzählt aus der von Neugier und kindlicher Fantasie geprägten Perspektive der sechsjährigen Gutshofstochter, vermittelt der Text laut Rezensent recht anschaulich ein raues, von Gewalt geprägtes, entbehrungsreiches Milieu. Ein Streit unter Störchen und ein schwarzer Storch werden im Text symbolisch aufgeladen, erklärt Saalfeld.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.07.2022

Rezensentin Bettina Baltschev freut sich über die Wiederentdeckung von Ilse Molzahns "Der schwarze Storch". Geschrieben hat die Autorin das Buch schon Anfang der 1930er Jahre, nun liegt es mit erhellendem Nachwort über Molzahns Leben und historischer Einordnung von Thomas Ehrsam erneut vor. Aus kindlicher Perspektive erzählt die junge Katharina, von allen Kater genannt,  von ihrem Leben auf einem Gutshof im Ostpreußen Anfang des 20. Jahrhunderts, informiert uns Baltschev. Die hier dargestellte "ostpreußische Realität" und die kindlichen Fantasien verschmelzen der Rezensentin zufolge kunstvoll miteinander. Die staunende, naive Sprache weckt bei Baltschev Erinnerungen an die Kinder in Irmgard Keuns "Kind aller Länder" und Johanna Spyris "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und sie kann gut damit leben, dass hier stets mehr Fragen als Antworten gegeben werden. Kater reiht sich jedenfalls in die Reihe der KinderprotagonistInnen ein, die man nicht so schnell vergisst, schließt die Rezensentin.

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