Ilija Trojanow

An den inneren Ufern Indiens

Eine Reise entlang des Ganges
Cover: An den inneren Ufern Indiens
Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446202290
Gebunden, 200 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Der Ganges ist die Lebensader Indiens. Ilija Trojanow hat den großen Fluss von der Mündung, wo er aus dem ewigen Eis bricht, bis in die großen Städte bereist, mit dem Boot, dem Bus, in überfüllten Bahnen. Eine farbige Reportage und Erzählung über ein Land zwischen einer uralten Tradition und einer höchst ungewissen Moderne und über den heiligen Fluss, der es über Hunderte von Kilometern durchzieht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2004

Nach Meinung der Rezensentin Claudia Wenner ist dieses Buch eine durchaus interessante Lektüre - auch wenn es sie stört, dass Autor Ilija Trojanow bisweilen "mehr Antworten hat als Fragen". Auch vertieft er sich ihrer Meinung nach manche Themen nicht genug. So muss sich der Leser beispielsweise beim Thema Umweltschutz "mit Meinungen zufrieden geben und erfährt neben vielen Details zum Thema vor allem, dass es in Indien mit dem Umweltbewusstsein nicht weit her ist". Trotz dieser Mängel hat der Reisebericht dennoch einiges zu bieten, dank seiner "aberwitzigen Interaktionen" und "der Buntheit der lebendig geschilderten Begegnungen". Zudem ist das Buch, gemessen an einer früheren Publikation Trojanows "sprachlich ambitionierter und literarisch sorgfältig komponiert". Auch wenn ihr Fazit zu diesem Reisebericht letztlich doch positiv ist, empfiehlt Wenner lieber zwei andere Publikationen: zum einen Mark Tullys "India in Slow Motion" , zum anderen "Out of God's Oven" von Dom Moraes. Beide sind bisher nur auf Englisch erhältlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2004

Martin Kämpchen ist ehrlich beeindruckt, "mit welch energischer, weit offener, intelligenter Sympathie sich Trojanow fremde Lebensweisen erschließt". Eigentlich sei ja Afrika Die Wahlheimat des bulgarischen Deutschen, doch einige Jahre hat er auch in Indien zugebracht und dabei eine Reise auf den Spuren hinduistischer Pilger unternommen: eine Fahrt von der Quelle zur Mündung des Ganges und zugleich eine respektvoll-distanzierte Forschungsreise ins Innere eines schwer verständlichen Landes - ein Versuch, der Göttin Ganga die Zunge zu lösen. Und wunderbar sei ihm das gelungen, findet Kämpchen, auch wenn oder gerade weil die Göttin "vielstimmig" spricht und einem Europäer am heiligen Fluss immer seine Fremdheit vorgeführt wird. Oft wird, wenn die Tür zum letzten Verständnis verschlossen bleibt, nach dem nächstliegenden exotischen Klischee gegriffen, doch nicht bei Trojanow; der berichtet, ohne zu viel zu erklären, verzichtet auf Betroffenheit oder Herablassung und pflegt eine Sprache, die "stimmig und originell" ist, wie Kämpchen schwärmt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

"Ein Buchtitel wie ein Versprechen", meint Tobias Gohlis und fragt sich: Ist es einlösbar? Kann man die Ufer eines Landes vermessen, das eine Milliarde Menschen zählt, die 1500 Sprachen sprechen? Kann man auf 200 Seiten sagen, was gesagt werden muss? Man kann, verrät Gohlis, wenn man weiß, dass die Reise ewig währt und die Form, in der sie beschrieben werden will, nicht die Erklärung ist, sondern die Erzählung. Man kann das Versprechen einlösen, wenn man es, mit anderen Worten, macht wie Ilija Trojanow: neugierig sein, beobachten, erfassen, aber nicht mit Deutung zerstören, sondern das Seltsame, das Fremde erzählen. Gohlis hat sich verzaubern lassen von den Geschichten, die Trojanow entlang des Ganges gesammelt hat, dem großen Strom, der großen Metapher, die in diesem Buch nicht in einer Bilanz, in einer Festschreibung mündet. Sondern in der wunderbaren Reiseerzählung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2003

Da packt eine schon der Neid oder zumindest Sehnsucht, gesteht Renee Zucker, die am liebsten den Autor auf seiner Reise begleitet hätte. Denn Trojanow, in Bulgarien geboren, in Kenia aufgewachsen und nach einer Zwischenstation in Deutschland heute in Bombay lebend, wäre ein kundiger Reiseführer, der Hindi spricht, schon viel von der Welt gesehen und sich doch seine Neugier bewahrt hat - und darüberhinaus Erzähltalent besitzt, wie Zucker begeistert verkündet. Trojanow kenne sich aus mit indischen Mythen und Göttern, eine Welt, in die er eintauche, die er ernst nehme, zugleich aber seinen Blick nicht vor zubetonierten Städten, müllübersäter Natur und schlitzohrigen Reiseführern oder Heiligen verschließe, schwärmt die Rezensentin. Die Geschichten seien urkomisch, beteuert Zucker, da sie sich oft aus kulturellen Missverständnissen ergäben. Aber so global und kosmopolitisch der Autor selbst auch sei und damit mehr als einen folkloristischen Blick auf Indien gestatte, indem die Leser von seinem Wissen und seiner Neugier profitierten, so deutlich schildere Trojanow auch die Folgen der Globalisierung, schließt Zucker alle romantisierenden Tendenzen aus.
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