Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Dem konventionellen Denken über die Wüste sind Oasen Paradiese. Das Paradies des Ibrahim al-Koni sieht anders aus. Ihm ist die Wüste Paradies, "Oase der Ewigkeit", "ein Haus mit Wänden aus Nichts", "dem Körper ein verlorenes, der Seele ein lebendiges Paradies", "ein Paradies aus Nichts". Dem Tuaregschriftsteller ist die Wüste also nicht einfach ein vegetationsloses oder sehr vegetationsarmes Gebiet mit vielleicht da und dort etwas Wasser und sicher überall Geröll, Kies, Sand, Staub. Ihm ist Wüste ein Reich der Symbole oder, weiter gefasst, ein Raum, in dem alles Symbol ist, in dem an jedem Ding ein Mythos hängt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2007
Der libysche Autor Ibrahim al-Koni feiert etwas, das es nicht mehr gibt: die Tuareg als freie Nomaden der Sahara. Die Wirklichkeit, daran lässt der Rezensent Martin Zähringer keinen Zweifel, sieht längst anders aus, die meisten Angehörigen der Tuareg leben in "wenig ansprechenden festen Wohnsitzen". Umso klarer wird aber das Projekt al-Konis, dessen Schaffen in diesem Sammelband durchaus repräsentativ vorgestellt werde. Der Schriftsteller ist nämlich, so Zähringer, nicht auf Wirklichkeitsbeschreibung aus, sondern auf einen "positiven Orientalismus". Deshalb betont er das Mythische der anti-modernen Lebensform, deshalb auch sei die Wüste, die hier beschworen wird, so nur in al-Konis Literatur anzutreffen. Aus dieser Wüste aber und ihren Erscheinungen gewinnt der Autor "unendliches dramaturgisches Spielmaterial". Wie hier aus fast nichts Literatur wird, das hat den Rezensenten offensichtlich beeindruckt.
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