Herausgegeben von Josef Kiermeier-Debre. Hofmannsthals melancholische Komödie für Musik gehört zu den zentralen Operntexten des 20. Jahrhunderts. Seit der Uraufführung von Richard Strauss' Vertonung 1911 ist das Werk von den internationalen Spielplänen nicht mehr wegzudenken. Das Motivdes "erotischen Identitätsschwindels", das in Hofmannsthals Werk immer wieder auftaucht, findet im "Rosenkavalier" seine höchste Entfaltung und gipfelt in einer Maskerade, die die Machenschaften der Wiener Hofgesellschaft entlarven will.
Franz Schuh lässt sich durch diese Taschenausgabe von Hugo von Hofmannsthals "Rosenkavalier" in die Erinnerung an seine erste Rosenkavalier-Oper zurückversetzen, eine "Erscheinung", von der er meint, dass sie für einen Österreicher den "Rang einer Defloration" einnimmt. Während ihn die Operette an einen "Udo Walz der Tonwellen" erinnert, bereitet ihm Hofmannsthals Text offenbar ungetrübte "Freude". Für Schuh lässt sich der "Rosenkavalier" mit dem "Uhrwerk einer Spieluhr" vergleichen, der man "fasziniert" zuschaut. Allerdings hält es der Rezensent wohl für übertrieben, beispielsweise die melancholischen Betrachtungen über die Zeit, die die Marschallin angesichts des drohenden Verlusts ihres jüngeren Liebhabers äußert, allzu philosophisch zu lesen oder gar "wörtlich ins eigene Seelenleben" zu übernehmen. Schließlich, so der Rezensent, sind die Zeit-Erörterungen vornehmlich durch "Erotisches" motiviert. Schuh scheint es richtiger zu finden, diesen "mächtig aufs Filigrane angelegten" Text leichter zu nehmen.
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