Homer

Odyssee

Cover: Odyssee
Manesse Verlag, München 2007
ISBN 9783717590200
Gebunden, 448 Seiten, 69,90 EUR

Klappentext

Aus dem Griechischen und mit einem Kommentar von Kurt Steinmann. Mit einem Nachwort von Walter Burkert und 16 Originalillustrationen von Anton Christian. Nach langen Jahren der Belagerung und dem ersehnten Sieg über Troja zieht es König Odysseus zurück in die griechische Heimat. Doch die Überfahrt gestaltet sich gefahrenreich. Sie stellt die Einfallsgabe des ebenso klugen wie phantasievollen Helden in zahlreichen populär gewordenen Episoden auf eine harte Probe: Um sich aus der Gefangenschaft des Kyklopen Polyphem zu befreien, nennt sich Odysseus »Niemand« und sticht dem Riesen sein einziges Auge aus. Den Gesängen der zwitterhaften Sirenen widersteht der umsichtige König, indem er die Ohren seiner Gefährten mit Wachs verklebt und sich selbst an den Schiffsmast fesseln läßt - da lauert mit den Seeungeheuern Skylla und Charybdis bereits neue Bedrohung. Auf einem Floß kehrt Odysseus schließlich als einzig Überlebender nach Ithaka zurück und tötet in einem beispiellosen Rachefeldzug die aufdringlichen Freier seiner Frau Penelope.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.12.2007

Kurt Steinmanns neue Versübersetzung von Homers "Odyssse" hat Rezensent Johan Schloemann nicht überzeugt. Zwar schwärmt er von der bibliophilen Aufmachung des Buchs und bescheinigt Steinmann, auf dem neuesten Stand der Forschung zu stehen und alle einschlägigen Kommentare einbezogen zu haben. Der Leser erhalte somit den korrekten Homer. Aber die Übersetzung fällt zu Schloemanns großem Bedauern "rhythmisch holprig" und "sprachlich unelegant" aus. Einem Vergleich etwa mit Johann Heinrich Voß' klassischer Übersetzung von 1781, die Schloemann für ihre "Eleganz und Lesbarkeit" rühmt, hält sie nicht stand. Dies führt der Rezensent im direkten Vergleich von Steinmann und Voß überzeugend vor Augen. "Der neue Manesse-Homer kommt wie ein prächtiges Weihnachtsgeschenk daher", resümiert er, "ist als solches aber nicht zu empfehlen."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2007

Als "ideale Gelgenheit" die Homersche Odyssee in den Zeiten untergehender humanistischer Bildung kennen zu lernen preist Kurt Flasch diese neue Übersetzung des klassischen griechischen Epos. Um zu erklären, wie ungewöhnlich die von dem Gräzisten Kurt Steinmann umgesetzte Idee einer Hexameter-Übersetzung der "Odyssee" ist, holt der Rezensent ein bisschen aus und lässt die deutsche Übersetzungsgeschichte des Buchs von Johann Heinrich Voss bis zur stilprägenden Prosaversion Wolfgang Schadewaldts Revue passieren. Auf den ersten Blick findet Flasch die nun eben doch zum Hexameter zurückgekehrte Steinmann-Fassung fast makellos und wunderbar lesbar. Bei genauerem Hinsehen jedoch zeitige der Zwang zur rhythmischen Strenge schon seine Folgen: Wortverkürzungen und -verlängerungen der eher manierierten Art. Auch Stilbrüche werden vom Rezensenten vermerkt. Dennoch betont er am Ende großen "Respekt" vor der Leistung und will zur Lektüre des Epos in dieser Version unbedingt zuraten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007

Als "prächtiges Festmahl" lobt Rezensent Jens Jessen diese Homer-Neuübersetzung, obwohl er sie insgesamt nicht gelungener als die Vorgängerübersetzungen findet. Jessen hat sogar einige Punkte zu bemängeln, bei denen diese Fassung aus seiner Sicht sogar hinter früheren Fassungen wie der von Heinrich Voß (1781, 1793) oder Anton Weiher (1955) zurückbleibt. Auch bedauert Jessen, dass Steinmann der mitunter geradezu "feinschmeckerischen Mitleidslosigkeit" manch geschilderter Szene viel zu gesittet gegenüber tritt. Nur bei seinem Umgang mit der Welt der Gefühle und seelischen Regungen sei Steinmann etwas Besonderes gelungen, "glaubwürdige Innigkeit bei staunenswerter Wörtlichkeit" nämlich. Hier zieht er voller Ehrfurcht seinen Hut. Das Navigieren zwischen den Gesängen findet der Rezensent allerdings schwer, da man mangels Kustoden auf jeder Seite nie wisse, wo man gerade sei. Auch das Nachwort watscht er als "etwas spießig" ab. Und seufzt am Ende nach manch verschmerzten Mangel: "Zweisprachig - das wäre es gewesen!"

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Eingehend lässt Rezensent Hans-Albrecht Koch die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte der Homerischen Epen Revue passieren, ehe er sich mit hymnisch preisenden Worten der Neuübersetzung der "Odyssee" von Kurt Steinmann zuwendet. Dass eine präzisere und auch noch ansprechendere Übersetzung als die gelungene Fassung des Archäologen Roland Hampe aus den 1970er Jahren überhaupt möglich ist, hätte der freudig überraschte Rezensent nicht geglaubt. Doch überzeugen ihn die Hexameter Steinmanns vor allem durch ihren "Rhythmus", der mitunter kühn auf eine starke Betonung zu Anfang der Verse verzichte und so alles Mechanische und Starre aus der deutschen Übersetzung tilge. Indem er sich traut, von der korrekten Hexameterform in manchen Fällen abzuweichen, gewinnt die Fassung an Lebendigkeit und Frische, schwärmt Koch. "Frische" sagt der Rezensent auch den Illustrationen von Anton Christian nach, kurz: er ist von dieser "Odyssee" einfach rundum begeistert.