Die Kapitulation galt als unehrenhaft, auch wenn sie häufig vorkam. Denn auch unterlegene Soldaten wollen weiterleben. Aber wie stellt man es an, eine Schlacht oder einen Krieg zu verlieren und trotzdem zu überleben? Dieser Kunst der Niederlage ist dieses Buch gewidmet. Es handelt vom Aufhören im Kriege, von der Dialektik zwischen soldatischer Ehre und Überlebenstrieb und von der Wechselwirkung zwischen den Bedingungen, die der Sieger stellt, und der Bereitschaft des Verlierers, sie zu akzeptieren. Die Kapitulation stellt eine Kulturtechnik dar, die sich über die Jahrtausende der menschlichen Geschichte wandelte und nicht zuletzt von gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen in der Waffentechnik abhing. Holger Afflerbach zeichnet diese Wandlungen nach und entwirft dabei eine neue Sicht auf die Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zur Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2013
Die These von der Selbstregulation exzessiver Kriege im Westen durch öffentliche Kontrolle und Mentalitätenwandel vermag Holger Afflerbach dem Rezensenten in seiner Studie nachvollziehbar zu belegen. Sehr erhellend findet Thomas Speckmann allerdings auch das vom Autor pointiert dargelegte Verhältnis von soldatischer Ehre und Überlebenstrieb oder seine Ausführungen darüber, wie wenig selbstverständlich eine glimpfliche Einigung im Kriegsfall ist. Afflerbachs Gang durch die europäische Kriegsgeschichte zeigt ihm: der Überlebenstrieb ist weitgehend bestimmend.
Heiter beschwingt bespricht Rezensent Franz Schuh dieses Büchlein über die Niederlage, die auch eine Kunst sein kann. Schuh, der sich als Anhänger einer "solide depressiven Lebensanschauung" zu erkennen gibt, stimmt dem Autor hier durchaus zu und zitiert einige kräftige Maximen berühmter Männer, mit denen die Abhandlung brilliert. Churchill habe zum Beispiel über einen Kriegsgefangenen gesagt: Das sei "ein Mann, der versucht, dich zu töten, es nicht schafft und dann bittet, ihn nicht zu töten". Der Band scheint sich als Geschenk für entsprechende Lebenslagen zu eignen.
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