John Dewey stellt als Mitbegründer des Pragmatismus konkrete Probleme sozialer Realität programmatisch ins Zentrum seiner Philosophie. Diese Ausrichtung kommt dem Wunsch nach Praxisrelevanz der angewandten Ethik entgegen. Doch wie pragmatisch dürfen Ethiker sein? Herwig Grimm analysiert die Relevanz und die Reichweite der Theorie der Forschung von Dewey im Kontext der problem- und anwendungsorientierten Tierethik. Denn obwohl Dewey dafür plädiert, das Modell wissenschaftlicher Untersuchungen und ihre paradigmatische Methode, das Experiment, auf die Ethik zu übertragen, findet sich keine experimentelle Ethik in seinem umfangreichen Werk. Die grundlegende Frage dieser Arbeit ist deshalb, inwiefern Deweys Ansatz die angewandte Ethik und insbesondere die Tierethik auf ihrer Gratwanderung zwischen Praxisferne und Theorielosigkeit unterstützen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2011
Nein, Rezensent Michael Pawlik ist mit dieser Doktorarbeit nicht zufrieden. Erstens gibt es - anders als Autor Herwig Grimm behauptet - von der Antike bis heute eine ganze Reihe von Schriften zur Frage, wann moralische Handlungsgebote unter ganz konkreten Umständen umgesetzt werden können oder nicht. Zweitens bleiben dem Rezensenten Grimms Bewertungskriterien dafür, wann moralisches Handeln zwingend geboten ist und wann es der Umstände wegen nicht verlangt werden kann, zu unbestimmt. Drittens schließlich, und das stört Pawlik eigentlich am meisten, degradiert Grimm gewissermaßen den "kategorischen Charakter der Verhaltensnormen" zu "Optimierungsgeboten" (Grimm). Mit dieser Auffassung könnte man Sklaverei entschuldigen, solange der Sklavenhalter versucht, seinen Sklaven das Leben so leicht wie möglich zu machen, so der abwehrende Rezensent.
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