Hermann W. von der Dunk

Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts

Zwei Bände im Schuber
Cover: Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421056047
Gebunden, 1300 Seiten, 128,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Im zwanzigsten Jahrhundert machte die Menschheit sich auf, neue Horizonte mit bislang unvorstellbarer Energie anzusteuern und hinter sich zu lassen. Die beiden Weltkriege markieren dabei nur die größten Katastrophen dieser Zeit. In einem großangelegten Panorama schildert von der Dunk, wie etwa Maler das neue Zeitalter vorwegnahmen, wie Schriftsteller es beschrieben, wie Komponisten es vertonten und die Menschen es zu begreifen und zu bewältigen versuchten. Die enorme Vielfalt der Kulturströmungen stellt er in den Zusammenhang der Entwicklungen von Wissenschaft, Technik und Politik. Auch wie Aufstieg und Niedergang der großen Ideologien das Leben der Menschen berührten, im Alltag wie auf der Weltbühne, erfährt der Leser in diesem großen Werk der Geschichtsschreibung. Der holländische Historiker spannt einen erzählerischen Bogen über das gesamte zwanzigste Jahrhundert. Er entführt den Leser in die Welt der Literatur, Kunst und Musik, der Technik, der Philosophie, der Psychologie. Ein neuer Klassiker der Allgemeinbildung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2005

Mehrfach drängt sich Rezensent Ernst Schulin der Vergleich mit einem anderen berühmtem Historiker des 20. Jahrhunderts auf, Eric Hobsbawm, dessen Herangehensweise er als einerseits globaler und andererseits parteilicher als bei Hermann W. von der Dunk charakterisiert. So wie Hobsbawm aus einer österreichisch-jüdischen Familie stammte, die in der Nazizeit nach England emigrierte, ist von der Dunk ein gebürtiger Deutscher, den der Antisemitismus nach Holland vertrieb, wo er heute als renommierter Historiker lebt. Sein zweibändiges Werk über das 20. Jahrhundert sei in erster Linie eine Kulturgeschichte, betont Schulin, die der "in alle Lebensbereiche einschneidenden politischen Geschichte breiten Raum" gewähre. Von der Dunks Darstellung sei ungemein vielseitig, zugleich stringent, lebendig, quellennah und doch unabhängig in der Beurteilung, lobt der Rezensent. Der Verfasser habe stets großes Interesse und Verständnis für Jugendkulturen besessen, weshalb er die Zeit der politischen Veränderungen nach 1968 angemessen würdigen könne, auch wenn er aus seinem allgemeinen Kulturpessimismus keinen Hehl mache. Eine schöne Ausstattung, die gute Übersetzung und hervorragende Illustration sollten das Buch, so hofft Schulin, auch hier zu einem Standardwerk machen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.02.2005

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Michael Wildt von Hermann W. von der Dunk voluminöser "Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts", die er eine "Revue der Erhabenheit" nennt. Damit ist er auch schon bei seinem zentralen Kritikpunkt: So "gelehrt, liberal, humanistisch" diese Kulturgeschichte insgesamt daherkommt, so "bildungsbürgerlich", "veraltet" und "eng" findet Wildt den ihr zu Grunde liegenden Kulturbegriff. Nicht Sprache, materielle und populäre Kulturen, soziale Praxen, Medien, symbolische Formen stehen nach Wildt im Mittelpunkt dieser zwei opulenten Bände, sondern "Schöpfungen von hohem intellektuellen und ästhetischen Rang, die unserer Existenz einen Wert und etwas wie Helligkeit verleihen" (von der Dunk). Trotz der umfassenden Darstellungen der Entwicklung in Wissenschaft, Politik, Kunst, Sexualmoral, Sport, Religion usw. spüre man auf jeder Seite, "dass etwas fehlt." So zeichne von der Dunk die alten und immer wieder repetierten Auseinandersetzungen nach, blende aber all die tiefgreifenden kulturellen Veränderungen von Arbeit, Freizeit, Konsum, Information, Medien, Geschlechterbeziehungen oder Körperlichkeit aus. "So materialreich und gelehrt, liberal und voll humanistischer Absicht dieses Werk ohne jeden Zweifel geschrieben ist", resümiert der Rezensent, "so ließe sich doch kaum eine altertümlichere und eingeschränktere Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts denken".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2004

"Gut sortiert" und "fleißig", aber vor allem "bieder, langweilig und ermüdend" findet Rezensent Friedrich Wilhelm Graf diese "Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts" von Hermann W. von der Dunks, die nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Autor setze auf eine "offensive Materialschlacht": die "Dialektik der Aufklärung" stehe neben "Lili Marleen", Johannes Heesters neben Martin Heidegger, Mickey Mouse neben Mao Tse-tung. Von A wie Architekturgeschichte bis Z wie Zivilisationskritik biete von der Dunk allerlei irgendwie "Kulturelles". Zwar informiere der Autor über Derridas Dekonstruktionismus und kenne neuere epistemologische Debatten über den objektivistischen "Neupositivismus der Sozialgeschichte". Aber seine "immense Belesenheit" und "stupende Sammelleidenschaft" kann Graf nicht darüber täuschen, "dass seine Erzählmuster von allzu überschaubarer intellektueller Komplexität bleiben." Ärgerlich findet er, dass im Anmerkungsteil selbst klassische deutsche Titel falsch wiedergegeben sind, weil man "denkfaul" niederländische Übersetzungen rückübersetzt habe.
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