Herman Bang

Am Weg

Roman
Cover: Am Weg
Manesse Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783717521167
Gebunden, 181 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen und mit einem Nachwort von Aldo Keel. Herman Bang hat in diesem Buch mit leiser Melancholie Schicksale im dänischen Nirgendwo porträtiert: Katinka fristet ein bescheidenes Dasein. Frei von materiellen Sorgen, frei auch von übertriebenen Ansprüchen, wohnt sie mit ihrem Mann, einem Stationsvorsteher, auf dem flachen Lande. Zuweilen sitzt sie auf der Bank vor dem Haus und läßt ihren Blick ahnungsvoll schweifen. Das wahre Leben, sie weiß es längst, es rauscht an ihr vorüber wie die Dampfeisenbahn, die Tag für Tag mit Getöse den Provinzbahnhof passiert. Und haben die Rauchwolken sich verzogen, liegt der Bahnsteig wieder so leer und verlassen da wie ehedem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2007

Kaufen, lesen und wieder lesen, lautet Heinrich Deterings Empfehlung. Herman Bangs "Meisterstück" in der Neuübersetzung von Ingeborg und Aldo Keel ("einfühlsam gelungen") nennt er rundheraus den "schönsten dänischen Roman". Bangs introspektives Talent, seine sachlichen Figurenpsychogramme und sein Gespür für Symbole haben es Detering angetan. Sieht er den Text thematisch in der Ahnenfolge von "Madame Bovary" und "Effi Briest", so hält er Bangs der Psychoanalyse vorgreifenden psychologischen Röntgenblick für wegweisend und das Unspektakuläre des erzählten Frauenschicksals für originär.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2006

Tief beeindruckt zeigt sich Rezensent Rolf-Bernhard Essig von diesem Ehe-Roman Herman Bangs (1857-1912), der nun in einer neuen Übersetzung vorliegt. Als "genial" würdigt er den dänischen Schriftsteller, der wegen seiner Homosexualität und antibürgerlichen Haltung zeitlebens Außenseiter blieb. Auch versäumt er nicht auf Thomas Manns Huldigung Bangs zu verweisen, zwischen denen er in Sachen Komik, Figurenzeichnung und Sympathie mit den Leidenden durchaus Parallelen sieht. Die Motive und Themen - unglückliche Ehe, Spießigkeit und Enge der Provinz, Doppelmoral - die Bang in seinen Roman "Am Weg" versammelt, scheinen Essig zwar nicht unbekannt. Deren Umsetzung begeistert ihn umso mehr. Formal, kompositorisch und stilistisch überbezeugt ihn das Werk durch seine "lebendige Modernität", die meisterlich diverse Kunstformen integriert. Vor allem die impressionistische, atmosphärische und unmittelbare Intensität von Bangs Stil sowie die präzisen, ebenso melancholischen wie komischen Beschreibungen der bürgerlichen Sphäre haben Essig begeistert. Lobend äußert er sich auch über das aufschlussreiche Nachwort über Bang, das der Übersetzer Aldo Keel beigesteuert hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Rezensent Benedikt Erenz zeigt ausgesprochen euphorisch die Wiederentdeckung dieses frühen Meisterwerkes an. Denn das "unscheinbare Büchlein" des 1912 verstorbenen dänischen Autors hat ihm ein "faszinierendes Leseerlebnis" beschert. Dabei sei die Handlung "kaum mehr als ein Wasserzeichen", schreibt der Rezensent, in die der damals 29-jährige Dichter einst seine "kleinsten Wahrnehmungssplitter" gestreut habe. Abstraktion pur macht der Rezensent in dieser impressionistischen Geschichte über ein nicht mehr ganz junges Ehepaar mit tödlichem Ausgang aus. Nichts werde erklärt oder psychologisiert. Alles über dieses Paar, dem nichts fehlt, außer die Liebe, sei im Präteritum erzählt und strotze doch von "vollkommener Präsenz". Immer wieder verdichte Bang die Erzählung zu Bildern von höchster Intensität, und schaffe Momente, in denen sich das Leben und der Tod ununterscheidbar gegenseitig durchdringen würden.