Herbert Rosendorfers neue Erzählungen, die nun posthum erscheinen, stecken voller Metamorphosen, Wanderungen und Träume, sie sind oft märchenhaft und bevölkert von grotesken Gestalten: Da wäre die kongeniale Gogol-Parodie vom braven Leibburschen Fedja und dem vermeintlich zum Frosch verwandelten Generalmajor Turkin, da ist der Kaktus eines unfreiwilligen Steuersünders, der allmählich zum reizenden Pygmalion wuchert. Es gibt einen Ulmer Hundehochzeitsunternehmer und seine Frau, die als Onassis- und Jackie-Kennedy-Darsteller auftreten, es gibt Drachen und Zwerge, Zentauren, die als Forstmeister arbeiten, und ein diplomatisches Maultier in den Anden. Ganz nebenbei wird der verloren gegangene Schluss von Kafkas Roman "Das Schloss" offenbart und die Intrige um eine Chopin-Mazurka endet tödlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2013
Wenn der "unermüdliche Fabulierer" Herbert Rosendorfer seiner Phantasie freien Lauf lässt, dann darf sich der Leser auf einiges gefasst machen, meint Sabine Doering und referiert ein paar der unerhörten Gestalten, die einem im Erzählungsband "Die Kaktusfrau" begegnen. Allerdings war die Lektüre für die Rezensentin kein ungetrübtes Vergnügen, weil sich zwischen allerlei Köstlichem und Kuriosem leider auch "schale Witze" sowie "zotige Witze und Kalauer" finden. Doerings Verstimmung wird an anderer Stelle durch gelungene Passagen wieder aufgehoben, doch wiegt die Unausgewogenheit im Niveau dieses Bandes schwer, weil er sich durch den seiner Veröffentlichung vorhergegangenen Tod Rosendorfers als dessen literarisches Vermächtnis herausstellt und diesen Anspruch nicht vollends gerecht wird, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2012
Wenn man irgendein Fazit aus Herbert Rosendorfers Erzählungen in "Die Kaktusfrau" ziehen kann, meint Wolfgang Görl, dann dieses: "Die Welt ist verrückt". Jedenfalls verbittet er sich jeden Versuch, dieses letzte Werk des vor kurzem verstorbenen Juristen und Schriftstellers als Fazit seines Lebens zu interpretieren - ob der nun etwas von seinem bevorstehenden Tod ahnte oder nicht. Da warten keine "ewigen Wahrheiten" auf den Leser, verrät Görl. Die Geschichten sind stattdessen "wunderbar versponnen" und immer wieder auch "hinreißend witzig", verspricht der Rezensent. Schon die erste Erzählung hat ihn begeistert: der verwirrte Leibbursche eines Offiziers glaubt, dass sich sein Herr in einen Frosch verwandelt hat. Er macht seine Geschichte sogar der Militärführung plausibel, sodass der Frosch nach seinem Tod mit allen gebührenden Ehren bestattet wird - der Einspruch des (noch sehr lebendigen) Offiziers wird nur mit dem Vermerk "Rätselhafte Aktenvorgänge" bedacht und abgeheftet. Auch die anderen Erzählungen spielen immer wieder ins Bizarre, berichtet Görl. Rosendorfers letzte Erzählungen haben den Rezensenten jedenfalls wirklich begeistert.
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