Hat das westlich geprägte Wertesystem im 21. Jahrhundert angesichts aufstrebender Mächte mit gänzlich anderem Menschenbild und Gesellschaftskonzept als Basis einer Frieden stiftenden Weltordnung ausgedient? Henry Kissinger, über Jahrzehnte zentrale Figur der US-Außenpolitik und Autorität für Fragen der internationalen Beziehungen, sieht unsere Epoche vor existenziellen Herausforderungen angesichts zunehmender Spannungen. In der heutigen global eng vernetzten Welt wäre eine Ordnung vonnöten, die von Menschen unterschiedlicher Kultur, Geschichte und Tradition akzeptiert wird und auf einem Regelwerk beruht, das in der Lage ist, regionale wie globale Kriege einzudämmen.
Matthias Nass rollt zwar jedes Mal ein bisschen mit den Augen, wenn Henry Kissinger einen neuen Wälzer vorlegt, um in großen Linien die Weltordnung von morgen zu umreißen, aber im Grunde liest er ihn dann doch wieder, und das sogar mit Gewinn. Irgendwie ist Kissinger ja doch nicht dumm. Er weiß, dass eigentlich die Amerikaner der europäischen Gleichgewichtspolitik ein Ende setzten, und dass ohne moralischen Universalimus bei ihnen nichts geht. Aber das bedeutet ja nicht, dass er nicht doch einige realpolitischen Leitlinien vorgeben kann: "Legitimität und Machtbalance" heißt sein Credo, oder vielmehr so heißen seine Pole, zwischen denen dann auch Idealismus und Realismus ihren Platz finden. Ärgerlich findet Nass nur die mitunter etwas holprige deutsche Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2014
Henry Kissinger ist nach Helmut Schmidt wahrscheinlich der Deutschen liebster Geostratege, und auch in seinem neuem Buch zerlegt er die Welt mit der mächtigen Axt der Realpolitik in verschiedene Blöcke, von denen möglichst nur der amerikanische etwas größer sein sollte. Auch Franziska Augstein liest das immer wieder fasziniert, obwohl sie ihm ganz offensichtlich in jedem einzelnen Punkt widersprechen möchte: wenn Kissinger die westfälischen Prinzipien der Nichteinmischung und des Kräftegleichgewichts hochhält, wenn er über Nixon schreibt oder wenn er alle amerikanischen Präsidenten (außer Barack Obama und Woodrow Wilson) für ihre umsichtige Außenpolitik lobt. Immerhin konzediert sie, dass Kissinger inzwischen von einigen arg stereotypen Darstellungen Abstand genommen hat und sogar ein gewisses idealistisches Moment in der Politik gutheißen könnte. Doch insbesondere zum Irakkrieg hätte sie sich doch etwas mehr als nur "wolkige Worte" gewünscht.
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