Klappentext

Aus dem Französischen von Paul Celan, Dieter Hornig und Kurt Leonhard. Henri Michaux: neben Kafka und Beckett ein Jahrhundertschriftsteller. Anthropologe des eigenen Ich, der äußeren und inneren Räume, der gegen die Literatur und die Poesie anschreibt, um sie zu unterlaufen mit seiner so unverwechselbaren seismographischen Schreibweise, seiner Wut, seiner Selbstironie und seiner trockenen Komik.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2004

Thomas Laux ergreift mit Freude Besitz von den geistigen "Besitztümern" des "Belgiers aus Paris", Henri Michaux, der so schön amoralische und selbst heute noch völlig frisch wirkende Texte geschrieben hat, eher monolithische Miniaturen, charakterisiert sie Laux, "aus Traum, Delirium und tieferer Bedeutung". Es sei eine hohe Kunst, beruft sich Laux auf Maurice Blanchot, mit einfachster Sprache große Wirkung zu erzielen. Ähnlich wie Kafka berichtet Michaux das Unheimliche im Tonfall "unaufgeregter Normalität", Unheimliches, Gewalttätiges entsteht "wie aus dem Nichts", während zugleich die moralische Empörung, das sinnstiftende Moment fehlt. Das wiederum sei typisch für das traumhafte, surreale Moment in Michaux' Schreiben. Michaux setzte sich über jedes Tabu hinweg, freut sich Laux und genießt die frechen, scharfen und witzigen Prosastücke, die alle erdenklichen seelischen Abgründe erforschen. Zwar meint man schnell, bei diesen Texten die Drogenerfahrung des Autors herauslesen zu können, dagegen spricht allerdings die frühe Entstehungszeit der Texte, gibt Laux zu bedenken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2003

Der Band eignet sich hervorragend, mit dem Dichter Henri Michaux Bekanntschaft zu schließen, empfiehlt Rezensent Helmut Mayer. Die darin enthaltenen Texte erscheinen ihm zugänglicher als die auf großen Reisen entstandenen Bücher Michaux' oder der Band "Plume", sie stehen seines Erachtens auch für Michaux' Entscheidung, der Romanform endgültig eine Absage zu erteilen und, wie Mayer es formuliert, "der unordentliche Autor zu sein", der sich um Genres und Gattungen nicht scherte. Bedauerlich findet es Mayer nur, dass der Band keine Gedichte enthält, obwohl gerade bei ihnen Michaux' Abwendung von der Sprache deutlicher nachvollziehbar werde. Bei aller Sprachzertrümmerung, die Michaux in einigen Texten betreibt, sei jedoch zugleich eine fast unheimlich anmutende sprachliche Souveränität des Autors spürbar, versichert Mayer. Ebenso wie die Surrealisten sei Michaux der Meinung gewesen, das Poetische sei überall vorhanden und werde durch den Versuch einer bewussten Herbeiführung abgetötet. Doch sei Michaux nie so naiv gewesen zu glauben, betont Mayer, dass Poesie einfach durch das Ausschalten des Bewusstseins zu erzielen sei. Für Michaux bedurfte es einer Balance, behauptet der Rezensent, zwischen dem Gewährenlassen und einer Gegenlist, um das Poetische zur Darstellung zu bringen. Die rätselhaften und skurrilen Geschichten, die Michaux seinen "inneren Berührungen" abgelauscht hat, erinnern Mayer teilweise an Kafka.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Erst langsam wird in Deutschland das Werk des gebürtigen Belgiers Henri Michaux gewürdigt, der auf Französisch schrieb, lange in Paris lebte und in Frankreich längst seinen Platz im Olymp, der Bibliotheque de la Pleiade, gefunden hat, stellt Hans-Jürgen Heinrichs den Dichter vor. Schreiben war für Michaux eine Mischung aus Trance und "ecriture automatique", erklärt Heinrichs, was seines Erachtens wenig mit dem Surrealismus gemein hatte, sondern hieß, dass Michaux sich den inneren Bildern und Vorgängen überließ. Eine solche Literaturauffassung ist natürlich stark von Drogenerfahrungen beeinflusst, erklärt Heinrichs, obwohl sich Michaux später scharf gegen Drogenmissbrauch gewandt haben soll. Michaux wollte in Bereiche seines Unbewussten vorstoßen, hält Heinrichs fest: "der Dichter als Forscher", dessen Erkenntnishunger nicht unideologischer hätte sein können. Außerdem besaß Michaux einen wunderbaren Humor, gerät Heinrichs jetzt auch ins Schwärmen, und nur einer wie er könne auf die Idee verfallen, die in ihm aufsteigenden Bilder, also etwas ganz und gar Immaterielles, "meine Besitztümer" zu nennen. Der Verlag hat eine Fortsetzung mit Schriften aus den 20er und 30er Jahren angekündigt, freut sich unser Rezensent.
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