Henning Ahrens

Inventur eines Dinosauriers

Cover: Inventur eines Dinosauriers
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783690970273
Gebunden, 96 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Wo kann man sich dieser Tage noch verorten? Wo sich finden zwischen Großstadthitze, eingezäunten Kleingärten und den Entfremdungen der digitalen Welt? Henning Ahrens stellt in seinem neuen Gedichtband genau diese Fragen und macht tatsächlich Inventur, betrachtet den Stand der Dinge in der Welt, im Körper, im Ich: von Rohrleitungen und Straßenbahnen bis zum schwankenden Kahn auf hoher See, von den gestopften Socken im Schrank der verstorbenen Großmutter bis zu den eigenen Ohren. Verschlungene Wege führen in heimatliche Wälder, altehrwürdige Häuser, sogar auf Schlachtfelder. Skurrile Begegnungen unter Wolkenkratzern gesellen sich zu persönlichen Erinnerungen an Eltern, Großeltern und Schwiegereltern, sodass ein beinahe zärtlicher Dialog zwischen vergangenen Generationen und gegenwärtigen Krisen entsteht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.06.2026

Rezensent Konstantin Ames rät zur Lektüre der neuen Gedichte von Henning Ahrens. Befindlichkeitslyrik revisited, und wie, findet er. Vom lindgrünen Cover lässt sich auf den Inhalt nicht schließen, warnt er. Dahinter verbergen sich politisierende Versuche, die allerdings manchmal etwas "diffus" geraten, dafür außerdem "saftige Pastiches" und Persiflagen, ein mutiger Bruch mit der "Werkpolitik" des Autors, meint er. Auch die Kombination zwischen einer genialen Sprachakrobatik und "Formfrömmelei" gelingt laut Ames auf vorteilhafte Weise. Mysteriös kombinierte Rätselwörter wie "Helllicht", "Komplettweg" und "Megafauna" können den Rezensenten noch etwas mehr begeistern als "Hochglanz-Trouvaillien" wie "unbarmherz" oder "glitzergras". Und nicht zuletzt verbirgt sich in den Texten ein Lob der Provinz als lyrischer Ort, erklärt der Rezensent. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2026

"panzergesang" und "marschflugkörpergemurmel" sind inzwischen auch in die Lyrik eingezogen, bemerkt Rezensent Björn Hayer im jüngsten Gedichtband von Henning Ahrens. Halt bietet diese Lyrik, in der Gefühle und Gedanken zu "dagenken / fügehle" werden, auf den ersten Blick also nicht, fährt der Kritiker fort. Und doch macht Hayer in dieser "Dokumentation des Scheiterns" bald auch Hoffnung aus, etwa wenn der Dichter vor allem im zweiten Teil Licht und Natur wieder überhand gewinnen lässt, Verstorbene auferweckt und verkündet, "dass der Mensch / sich über den gröbsten Dreck erheben kann". Dass Ahrens gelegentlich ins "Plakative" rutscht, kann Hayer insbesondere angesichts der eleganten und beweglichen Sprache und der bewusstseinserweiternden Kraft dieser Lyrik gern verzeihen. 
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