Hafni sagt
Roman

Penguin Verlag, München 2025
ISBN
9783328603900
Gebunden, 208 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Dänischen von Flora Fink. Ich will nicht ich sein. Ich will mich selbst neu erfinden. Und ich weiß nicht, wie ich mich neu erfinden soll. Hafni Jørgensen, 48 Jahre alt, hat beschlossen, sich von ihrem Mann zu trennen und einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: eine kulinarische Smørrebrød-Reise durch ganz Dänemark, deren Höhepunkt die berühmte südjütländische Kaffeetafel mit einundzwanzig verschiedenen Kuchensorten sein soll. Andere wagen einen radikalen Neuanfang, Hafni aber träumt von rustikalen Landgasthöfen und Heringssymphonien mit Aquavit. Während sie sich immer weiter von ihrem früheren Leben entfernt, muss Hafni sich fragen: Was bleibt, wenn die Kinder erwachsen sind, die Ehe gescheitert ist, der Karrierezug längst abgefahren? Und wenn man noch dazu keine Vorstellung davon hat, was einen glücklich machen könnte? Niemand schreibt so scharf, präzise und höchst unterhaltsam wie Helle Helle über das weibliche Selbst im 21. Jahrhundert.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2025
Gebannt unternimmt Rezensent Stephan Opitz in Helle Helles Roman eine Reise durch Dänemark, von Nord nach Süd. Die Hauptfigur Hafni macht sie, um ihr Leben nach einer Scheidung in eine neue Bahn zu lenken. Wir erfahren zwischendurch zwar das eine oder andere über ihr vorheriges Leben, aber nichts über den Grund der Scheidung, was im Buch mitreflektiert wird, wenn Hafni eingesteht, dass sie Schwierigkeiten hat, eine Geschichte kohärent zu erzählen. Auch im Umgang mit Menschen tut sie sich oft schwer, auf den Punkt zu kommen. Auch wenn dieses Buch in sprunghafter Manier die Themen wechselt, fühlt Opitz sich doch gut unterhalten, dank allerlei schräger Details, komischen Ortsnamen, und manchem kuriosen Haushaltstipp, zum Beispiel, wie man eine Avocado mit Autoschlüssel und Kamm zerteilt. Das alles führt, freut sich Opitz, zu einem regelrecht märchenhaften Ende. Insgesamt hat der Rezensent ein schönes, vielschichtiges Buch gelesen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2025
Helle Helles neue Protagonistin Hafni Jörgensen kennt Rezensent Franz Haas schon aus einem vorherigen Roman, da war sie noch eine Nebenfigur: Jetzt macht sie sich auf den Weg zu einer Reise. Sie ist 48 Jahre alt, erfahren wir, die Kinder sind aus dem Haus, die Lebenskrise lässt nicht lange auf sich warten. Sie reist vier Wochen durch Dänemark, wo sie von einer Peinlichkeit in die andere stolpert, viel isst und einen Mann kennenlernt, mit dem sie aber auch nur eine Nacht verbringt. Das alles erzählt sie einer Freundin, die wiederum die Erzählerin des Bandes ist und alles in interessanten Verschachtelungen wiedergibt. Ein tragikomisches Buch, das Helle mit "schlackenloser Eleganz" schreibt - der Kritiker freut sich jedenfalls schon auf die deutsche Übersetzung der Fortsetzung, die soeben im dänischen Original erschienen ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 15.08.2025
Wie eine Frau sich trennt - davon ist schon oft und gut geschrieben worden, weiß Rezensentin Bettina Baltschev. "So reduziert und klar" wie Helle Helle allerdings hat wohl noch niemand von einer Trennung erzählt, vermutet Baltschev. In "Hafni sagt" folgt die Autorin einer Frau Ende Vierzig auf ihrer Tour durch Dänemark, nachdem sie entschieden hat, sich scheiden zu lassen. Der Emanzipationsprozess, der dieser Entscheidung folgt, vollzieht sich nicht durch großartige theoretische Reflexionen und psychologische Analysen, sondern in simplen, banalen Alltagshandlungen - "Rumfahren, Essen und Schlafen", wie die Rezensentin es ausdrückt. Das mag nicht gerade nach packender Lektüre klingen, erzeugt jedoch eine subtile Art von Spannung, lesen wir - eine bestechende Nahbarkeit und Wahrhaftigkeit. Natürlich macht ein solch dichter Text es Lesenden nicht leicht. Doch wer wach und aufmerksam liest, der wird belohnt mit einigen klugen Einsichten und einer sehr wahrhaftigen Leseerfahrung, so die Rezensentin.