K. u. k. Monarchie, Erste Republik und Ständestaat, NS-Zeit, Zweite Republik: Heinrich Treichl hat Österreich viermal erlebt. Jetzt, mit 90 Jahren, blickt er zurück. Als einer der Protagonisten österreichischer Wirtschaftspolitik, als Verlagsleiter von Ullstein Wien und langjähriger Generaldirektor der traditionsreichen Creditanstalt stand Treichl im Mittelpunkt wichtiger Entscheidungen. Immer war er ein wortmächtiger Partner, oft ein Kontrahent der Politik, nie ihr Erfüllungsgehilfe. Treichl erzählt z.B. vom Salon der Eltern und von der Großmutter, die eine der ersten Patientinnen Sigmund Freuds war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003
Mit neunzig Jahren blickt Heinrich Treichl, der einst höchst einflussreiche Vorstandschef der österreichischen staatlichen Creditanstalt (CA) auf sein Leben zurück. Es war, als politisches, ein Leben als klassischer Liberaler unter Kreisky, dem sozialdemokratischen Kanzler, der stets den lenkenden Eingriff des Staats auch ins Ökonomische favorisierte. Besonders mit Finanzminister Androsch, seinem späteren Nachfolger, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, weil dieser, so Treichl, skrupellos und auch zum eigenen Nutzen den Einfluss des Staates möglichst weit auszudehnen suchte. Der M.K. zeichnende Rezensent findet es angesichts dieser lesenswerten Erinnerungen geradezu bedauerlich, dass Treichl erst so spät zum Autor geworden ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2003
Wie eine Reise durch die wirtschaftspolitischen Abgründe Österreichs liest sich die Rezension von Karl-Peter Schwarz: politische Korruption, Staatssozialismus, "liberale Sonnenkönige", "Aushöhlungen des Aktienrechts" und Missmanagement in großem Stil. Die Erinnerungen des ehemaligen Geschäftsführer des Ullstein - Verlags und Wiener Bankdirektors Heinrich Treichl reichen von "der großbürgerlichen Kindheit im kaiserlichen Wien bis in die Gegenwart" in Österreich, informiert uns der Rezensent. Ein Insider also, dem es - so Schwarz - gelungen sei, "den verborgenen Subtext" der politischen Geschichte Österreichs seit 1945 "so plastisch auszuleuchten", wie es bisher "nur wenige" geschafft haben. Der faszinierte Rezensent konzentriert sich auf den Einblick Treichls in das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Politik, den Treichl bei der Abwicklung des Ullstein-Verlages gewonnen hat: "ein Paradebeispiel für politische Korruption". Durch die Lektüre erfahre man also eine Menge über "die Herrschaft der Politik über die Wirtschaft", schließt Schwarz.
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