Heinrich Detering

Schwebstoffe

Gedichte
Wallstein Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783892447870
Gebunden, 72 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Seit einigen Jahren schon sind Gedichte von Heinrich Detering in Zeitschriften und Anthologien erschienen, unter anderem in der "Neuen Rundschau" und im "Jahrbuch der Lyrik". In diesem Band sind zum ersten Mal ältere und neue Texte gesammelt. Sie bilden einen Zyklus musikalisch leichtfüßiger Poesie über Alltag und Epiphanie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2005

Heinrich Detering habe als Literaturwissenschaftler und Mitglied verschiedenster Literaturpreis-Jurys beachtlichen Mut bewiesen, indem er sich selbst unter die Dichter gewagt und dabei seinen eigenen Ansprüchen habe gerecht werden müssen, anerkennt Rezensent Hans-Herbert Räkel und zeigt sich im Großen und Ganzen erfreut von den Resultaten, hat aber hier und dort auch Kritik anzubringen. Er charakterisiert Deterings Lyrik, die immer wieder Alltägliches verdichte, als spontan und punktuell inspiriert, wobei sie gleichzeitig "mit Eifer und Sorgfalt komponiert" sei, wie von einem Gelehrten nicht anders zu erwarten. Am Gelehrtentum der Poesie Deterings setzt allerdings auch seine Kritik ein. Obzwar eine Seite mit Anmerkungen zu zwei Gedichten unter der Überschrift "Carl von Linne schreibt an seinen Sohn" in diesem Fall den Leser helfe, Anspielungen zuzuordnen, sei die Anmerkungspraxis nicht die Regel. Daher komme es bei manchen Gedichten vor, dass "die Wellen von poetischer Überschussbedeutung vollends über einem zusammenschlagen", seufzt der Rezensent. Zur Entschädigung konnte sich Räkel jedoch von den Versen über Bob Dylan aus dem Gedicht "Phantom, Schmerz" "unwiderstehlich" mitreißen lassen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.11.2004

Die Balance stimmt! Jan Wagner ist hocherfreut über die Gedichte von Heinrich Detering, die zwar nicht immer ganz perfekt klingen, die aber dennoch, wie die Stoffe des Titels, die Schwebe halten: zwischen Alltäglichem und Metaphysischem, "zwischen so unscheinbaren Themen wie 'Schneekugeln' und historischen Schwergewichten wie Dürer und Nietzsche, dem man im zärtlichen Zwiegespräch mit den Wellen des Mittelmeers begegnet", zwischen der Formbewusstheit des Literaturwissenschaftlers und der lyrischen Intuition. Garant dafür ist des Autors "Vertrauen in die Sinne", "ganz zu schweigen von Deterings humoristischer Seite". Und so, lobt der Rezensent, werden etwas schwächere, wenn auch nie wirklich störende Gedichte von den vorzüglichen jederzeit aufgewogen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2004

Wulf Segebrecht sagt's leise und mit allem gebotenen Respekt, doch es ist wohl zu hören: Heinrich Detering, der Dichter, erreicht vorläufig nicht den Rang, den er als Germanist, Literaturkritiker und Übersetzer innehat. Das geht schon damit los, dass er ihn für den Mut lobt, sich "selbst auf die lyrischen Finger schauen" zu lassen. Natürlich, Detering verstehe sich auf Rhythmus und Reimmaß, biete auch allerlei Abwechslung, demonstriere seine stilistische Vielfalt, und auch an Ambition mangele es ihm nicht. Zum Beispiel die beiden Gedichte, die das Buch einrahmen: "wunderschön gereimt", formal aufeinander abgestimmt und außerordentlich gehaltvoll. Doch leider auch, findet Segebrecht, zu unkonkret und vage raunend. Detering hat eine Passion für das Schwebende - der Rezensent hat es geerdet lieber. Und so kann er noch so sehr "die Raffinesse und Artistik einer Kunst" loben, "die komplizierte Beziehungsverhältnisse auf einfache und sinnfällige Weise zu formulieren weiß" - man hat ihn schon verstanden.
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