Helga Amesberger, Katrin Auer, Brigitte Halbmayr

Sexualisierte Gewalt

Weibliche Erfahrungen in Konzentrationslagern
Cover: Sexualisierte Gewalt
Mandelbaum Verlag, Wien 2004
ISBN 9783854761181
Gebunden, 360 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Sexualisierte Gewalt im Zusammenhang mit nationalsozialistischer Verfolgung ist ein Themenbereich, welchem bislang nur geringes öffentliches und wissenschaftliches Interesse entgegengebracht wurde. In diesem Buch werden auf der Grundlage lebensgeschichtlicher Erinnerungen von Frauen die verschiedenen Formen sexualisierter Gewalt während der Verfolgung diskutiert. Neben Sexzwangsarbeit in KZ- und SS-Bordellen, sexueller Ausbeutung, Vergewaltigung und Folter sowie Zwangsabtreibungen und -sterilisationen um fassen diese Gewalterfahrungen auch demütigende Untersuchungsmethoden, erzwungenes Nacktsein und das Fehlen jeglicher Intimsphäre. Frauenspezifische Aspekte wie Schwangerschaft und Menstruation im KZ werden ebenso behandelt wie mögliche Folgewirkungen dieser Gewalterfahrungen auf das Leben der Frauen nach 1945.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2004

Einem ausgesprochen sensiblen Thema widmet sich das Buch "Sexualisierte Gewalt" der Mitarbeiterinnen des Wiener Instituts für Konfliktforschung Helga Amesberger, Katrin Auer und Brigitte Halbmayr. Es geht um die sexuelle Ausbeutung weiblicher Häftlinge des Konzentrationslagers Ravensbrück durch das Lagerpersonal und die psychischen und somatischen Reaktionen der Betroffenen. Die Rezensentin Bea Lundt zeigt sich beeindruckt, wie wagemutig und zartfühlend die Autorinnen sich der Biografien der Überlebenden angenommen haben. Dabei haben die Wiener Wissenschaftlerinnen den Anspruch, den Geschicken der Frauen in ihrer Komplexität gerecht zu werden und die "Tabuisierung von sexualisierten Gewalterlebnissen aufzubrechen". Vorbehalte aus allen denkbaren Richtungen - Geschichtswissenschaft, Feminismus, Psychoanalyse - versuchen sie schon im Vorfeld zu begegnen. Gleichwohl bleibt ihre Studie ein heikles Unterfangen, zumal das empirische Material mit 43 Tiefeninterviews doch einigermaßen dünn ist, wie die Rezensentin einräumt. Zwei Fallbeispiele - Roma-Frauen - stellen die Verfasserinnen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Wie sensibel das Thema ist, zeigt sich auch, wenn die sexuellen Zwangsarbeiterinnen von ihrem Stolz auf ihre Fähigkeit, Begehren zu provozieren, erzählen.

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