Haruki Murakami

Naokos Lächeln

Nur eine Liebesgeschichte
Cover: Naokos Lächeln
DuMont Verlag, Köln 2001
ISBN 9783770156092
Gebunden, 430 Seiten, 23,52 EUR

Klappentext

Der Beatles-Ohrwurm "Norwegian Woods" ist für den 37jährigen Toru Watanabe ein melancholischer Song der Erinnerung: an den Aufruhr der Gefühle in einer schmerzvollen und schicksalhaften Jugend, die er zu bewahren und zu verstehen versucht. "Naokos Lächeln" erzählt von einer Liebe mit Komplikationen in den unruhigen sechziger Jahren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2001

Andrea Köhler hat kein freundliches Wort für diesen, nun im übrigen aus dem japanischen Original übersetzten, Roman von Haruki Murakami. An der Übersetzung - frühere Bücher waren aus der amerikanischen Übersetzung übertragen worden - lag es nicht, stellt sie nun fest, wenn Murakamis Romane missfielen. Eigentlich gebe es bei diesem, mit seiner Geschichte um erste sexuelle Erfahrungen des melancholisch gewordenen 37-jährigen Toru aufs Pornografische schielenden Autor nur einen einzigen Skandal: "seine ganz und gar unerotische Sprache". Aber auch mit seiner Fantasie ist es offensichtlich nicht weit her: die Rezensentin macht jede Menge "Klischees des 'Playboy'-Designs" aus, erkennt in dem Roman kaum mehr als eine "Mischung aus Sexualhandbuch und Dr. Sommers Sprechstunde". Gipfel dieses Verdammungsurteils: Haruki Murakami ist, so Andrea Köhler, "der Richard Clayderman der japanischen Literatur".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2001

Der Held des Buches, meint Klaus Siblewski, ist vollendet allein in seiner Durchschnittlichkeit. Wenn wir am Ende dieser Besprechung, den Eindruck haben, so und nicht anders sei es um das ganze Buch bestellt, mag das dem Rezensenten recht sein oder nicht. Diese "Geschichte eines Erwachsenwerdens" jedenfalls, in der, so lesen wir, die Musik der Beatles "eine große Rolle" spielt, deren "eingängige Oberfläche", wie es weiter heißt, aber transparent wird auf "eine ungleich härtere Realität", so dass schließlich die Lust und das Verletzende der Abhängigkeit in der Liebe mitschwingt - dieses Geschichte, in der es, man glaubt es kaum, auch um Verluste geht, dieses Buch möchten wir so gar nicht lesen. Nach dieser Besprechung nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

In einer Mehrfachbesprechung befasst sich Ulrich Greiner im Aufmacher der Buchmessenbeilage mit mehreren Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami.
1.) Haruki Murakami: "Naokos Lächeln" (DuMont)
2.) Ders.: "Gefährliche Geliebte" (DuMont)
Bei diesen beiden Romanen schätzt der Rezensent besonders, dass Murakami hier "sehr einfache Geschichten sehr einfach erzählt", die nach Greiners Ansicht deshalb so fesselnd und authentisch sind, weil sich der Autor auf den Inhalt der Geschichten konzentriert und nicht die Kunst der Literatur in den Vordergrund stellt. Greiner räumt ein, dass dies nicht von jedem Kritiker geschätzt wird, doch er selbst zeigt sich von der Schilderung "traurig-schöner, nicht selten tödlicher Liebesbegegnungen" sehr berührt. Zu den großen Stärken Murakamis in "Naokos Lächeln" gehört nach Greiner die Fähigkeit des Autors, Liebes- und auch sexuelle Dinge "sehr direkt" zu beschreiben, wobei der Rezensent betont, dass es eigentlich der Protagonist Toru ist, der erzählt. Dies sei wichtig, da durch diese Erzählperspektive die intimen Szenen nie peinlich geraten - es gibt keinen Betrachter von Außen, sondern Toru erzählt das, was er erlebt. Dass dieser Roman insgesamt nicht zu einem "trivialen Liebesroman" geraten ist, liegt nach Greiner vor allem in Murakamis Kunst des Weglassens. So werde das Äußere der Personen - wenn überhaupt - nur beiläufig geschildert. Lebendigkeit ergibt sich, wie der Leser erfährt, vor allem durch die Begegnungen und Gespräche. Ein weiterer Aspekt, der Greiner an diesem Roman wichtig erscheint, ist das Thema Erinnerung, oder besser gesagt: der Wunsch, Erinnerung festzuhalten bzw. die Angst, Erinnerungen für immer zu verlieren.
3.) Ders.: "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" (Suhrkamp)
4.) Ders.: "Wilde Schafsjagd" (Suhrkamp)
Diese beiden "quasi futuristischen Romane" Murakamis zeigen nach Greiner eine andere Seite des Erzählers, nämlich seine "architektonische Kühnheit", bei der die einzelnen Parameter, wie der Rezensent anerkennend anmerkt, auf das Genaueste durchdacht sind. Aber die Qualitäten Murakamis erschließen sich nach Greiner nicht unbedingt von selbst, viel müsse vom Leser selbst erschlossen und entdeckt werden, "benannt" werde vom Autor wenig. Doch auch wenn der Rezensent Murakamis Buch "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" eher ausgemachten Science-Fiction-Liebhaber ans Herz legt, so zeigt er sich insgesamt von Murakamis "immer spannenden, weitläufigen und oft irrläufigen Geschichten" äußerst angetan, besonders weil der Leser immer wieder mit einer "Ahnung des Wiedererkennens" konfrontiert werde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2001

Etwas irritierend ist es, dass die Rezensentin Elisa Peppel das Buch zuerst als Murakamis "neuen Roman" bezeichnet und die im Original danach veröffentlichten seine "vorangegangenen Bücher" nennt, während sie später beiläufig erwähnt, dass "Naokos Lächeln" in Japan 1987 erschien und Murakami zum Popstar unter den Literaten machte. Irgendwie bringt Murakami alle durcheinander - eines aber stellt Peppel nun richtig: das quartettsprengende "Vögeln bis zur Hirnerweichung" aus "Die gefährliche Geliebte" verdankt sich wohl eher der missglückten Übersetzung aus dem Englischen. "Naokos Lächeln" jedenfalls ist aus dem japanischen Original übersetzt und in sexuellen Dingen "relativ nüchtern", findet die Rezensentin und zitiert eine entsprechende Stelle. Glücklich ist sie aber nicht mit dem Buch. Die Figur der Naoko bleibe blass, zudem wird Peppel "das Gefühl nie ganz los, gerade ein Jugendbuch zu lesen". Trotz schöner und komischer Szenen fehlt ihr die Komplexität von Murakamis anderen Romanen und die Knappheit seiner Kurzgeschichten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.02.2001

Wie schon in Murakamis früherem Roman "Gefährliche Geliebte", so spielen auch in diesem Buch alte Lieder, die "in die Vergangenheit führen, ohne sie wirklich zurückzubringen", eine wesentliche Rolle, erklärt Kolja Mensing. Diesmal ist es der Beatles-Song "Norwegian Woods", der die Erinnerung an eine vergangene Liebe immer wieder neu erweckt. Doch auch sonst diagnostiziert der Rezensent Parallelen zu Murakamis früherem Roman: Auch hier ist der Protagonist ein Student, der sich in die "Eigenschaftslosigkeit (fügt) wie in ein Schicksal", der ohne weitergehende Ambitionen existiert und in seinem Zimmer alte Schallplatten anhört, die Erinnerungen auslösen, auch wenn diese recht vager Natur sind. Mensing sieht in Murakamis Schreibstil sehr viel amerikanischen Einfluss, nicht zuletzt durch sein Bestreben, sich vor allem mit "durchschnittlichen Menschen" zu befassen, was ihm, wie Mensing erläutert, besonders von Kenzaburo Oe scharfe Kritik eingetragen hat. Besonderes Lob sendet der Rezensent an Ursula Gräfe, die den "lakonischen Ton" Murakamis seiner Ansicht nach sehr treffend ins Deutsche übertragen hat, etwas, was man von der Übersetzung der "Gefährlichen Geliebten" - einem anderen Buch Murakamis, über das sich das Literarische Quartett zerstritten hatte - nicht behaupten könne.