Haruki Murakami

Gefährliche Geliebte

Roman
Cover: Gefährliche Geliebte
DuMont Verlag, Köln 2000
ISBN 9783770147816
Gebunden, 230 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Hajime ist Ende dreißig, nach Jahren der Ziellosigkeit ein erfolgreicher Jazz-Bar-Besitzer, Ehemann und Vater. Frauen haben sein Leben geprägt. In der Kindheit Shimamoto, wie er selbst ein egozentrisches Einzelkind. Wie eine Halluzination taucht die Kindergeliebte Shimamoto wieder auf, unfassbar und geheimnisumwoben. Sie verkörpert für Hajime, was ihm im klugen Geschäftsleben und zusammen mit der ausgeglichenen Ehefrau Yukiku abhanden gekommen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

In einer Mehrfachbesprechung befasst sich Ulrich Greiner mit mehreren Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami.
1.) Haruki Murakami: "Naokos Lächeln" (DuMont)
2.) Ders.: "Gefährliche Geliebte" (DuMont)
Bei diesen beiden Romanen schätzt der Rezensent besonders, dass Murakami hier "sehr einfache Geschichten sehr einfach erzählt", die nach Greiners Ansicht deshalb so fesselnd und authentisch sind, weil sich der Autor auf den Inhalt der Geschichten konzentriert und nicht die Kunst der Literatur in den Vordergrund stellt. Greiner räumt ein, dass dies nicht von jedem Kritiker geschätzt wird, doch er selbst zeigt sich von der Schilderung "traurig-schöner, nicht selten tödlicher Liebesbegegnungen" sehr berührt. Zu den großen Stärken Murakamis in "Naokos Lächeln" gehört nach Greiner die Fähigkeit des Autors, Liebes- und auch sexuelle Dinge "sehr direkt" zu beschreiben, wobei der Rezensent betont, dass es eigentlich der Protagonist Toru ist, der erzählt. Dies sei wichtig, da durch diese Erzählperspektive die intimen Szenen nie peinlich geraten - es gibt keinen Betrachter von Außen, sondern Toru erzählt das, was er erlebt. Dass dieser Roman insgesamt nicht zu einem "trivialen Liebesroman" geraten ist, liegt nach Greiner vor allem in Murakamis Kunst des Weglassens. So werde das Äußere der Personen - wenn überhaupt - nur beiläufig geschildert. Lebendigkeit ergibt sich, wie der Leser erfährt, vor allem durch die Begegnungen und Gespräche. Ein weiterer Aspekt, der Greiner an diesem Roman wichtig erscheint, ist das Thema Erinnerung, oder besser gesagt: der Wunsch, Erinnerung festzuhalten bzw. die Angst, Erinnerungen für immer zu verlieren.
3.) Ders.: "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" (Suhrkamp)
4.) Ders.: "Wilde Schafsjagd" (Suhrkamp)
Diese beiden "quasi futuristischen Romane" Murakamis zeigen nach Greiner eine andere Seite des Erzählers, nämlich seine "architektonische Kühnheit", bei der die einzelnen Parameter, wie der Rezensent anerkennend anmerkt, auf das Genaueste durchdacht sind. Aber die Qualitäten Murakamis erschließen sich nach Greiner nicht unbedingt von selbst, viel muss vom Leser seiner Ansicht nach selbst erschlossen und entdeckt werden, "benannt" werde vom Autor selbst wenig. Doch auch wenn der Rezensent Murakamis Buch "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" eher ausgemachten Science-Fiction-Liebhaber ans Herz legt, so zeigt er sich insgesamt von Murakamis "immer spannenden, weitläufigen und oft irrläufigen Geschichten" äußerst angetan, besonders weil der Leser immer wieder mit einer "Ahnung des Wiedererkennens" konfrontiert werde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2000

Zwiespältig ist Katrin Hillgrubers Urteil über diesen Roman. Das anfangs "konventionell und moralisch" scheinende Werk eröffne "psychologische und mitunter poetische Tiefenschichten", lobt sie. Seine "reizvollen Irritationen" entwickele es aus einer Ästhetik des Hässlichen und aus dem Einbruch des Unkonventionellen. Enttäuschend allerdings findet die Rezensentin, dass der japanische Roman weniger japanisch als überraschend westlich wirkt. Das führt sie unter anderem auf die Übersetzertätigkeit des Autors aus dem Amerikanischen zurück, von der sie vermutet, dass sie Einfluss auf sein Schaffen gehabt habe. Doch immerhin, so urteilt Hillgruber abschließend, habe dieser sonst eher "biedere Entwicklungsroman" mitunter die "existentielle Wucht einer Wagner-Oper".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2000

Nach der Lektüre des Buches hat sich Kolja Mensing auf die Suche nach zwei Titeln von Nat King Cole begeben, die den Autor beim Schreiben und den Rezensenten beim Lesen von "Gefährliche Geliebte" begleitet haben. Wie die Hauptfigur des Romans hat auch Murakami mal einen Jazzclub geleitet, berichtet Mensing. Und vergleicht das von Murakami beschriebene Lebensgefühl einer sich im Lifestyle verlierenden Generation mit dem Drehen der Schallplattennadel in einer Endlosrille .... Mensing hat der Roman gefallen, wenn gleich er es für einen Skandal hält, dass der Verlag das Buch aus dem Englischen statt aus dem Japanischen übersetzen ließ.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2000

Ein glatter Verriß! Andreas Breitenstein ist sichtlich enttäuscht, wie Haruki Marukami, Enfant terrible der japanischen Literaturszene, seine Liebesgeschichte von Hajime und Shimamoto erzählt, die sich schon als Kinder liebten, dann aus den Augen verlieren und schließlich wiederfinden. Die Sprache "plätschert seicht wie die Dialoge dahin", die zeitkritische Beschreibung der japanischen Wohlstandsgesellschaft hat keinen Biss und bietet "psycholgisch schlichte Kost", in "übersichtlichen intellektuellen Parametern" erzählt. Ein nicht ganz unwesentliches Zugeständnis des Rezensenten: das Buch ist spannend. Seine Gebrauchsanweisung: "in einem Zug lesen - und dort liegen lassen."
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