Hartmut Lehmann (Hg.)

Historikerkontroversen

Cover: Historikerkontroversen
Wallstein Verlag, Göttingen 2000
ISBN 9783892444138
Taschenbuch, 189 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Doris Bergen, Helmut Böhme, Roger Chickering, Annelise Thimme, Carl E. Schorske und Fritz Stern. Obwohl die historischen Wissenschaften seit vielen Jahren zu den durchaus selbstkritischen wissenschaftlichen Disziplinen gehören und obwohl sich einige Historiker immer wieder intensiv mit der Geschichte der eigenen Disziplin beschäftigt haben, wurde bisher noch nie thematisiert, auf welche Weise Kontroversen zwischen Historikern den Arbeits- und Erkenntnisprozess in der Geschichtswissenschaft beeinflussen: Ist der Dissens ein konstitutiver Bestandteil wissenschaftlicher Entwicklung oder ein ihr fremdes Moment? Welche Bedeutung haben Kontroversen für die zeitgenössische Öffentlichkeit? Und wie werden sie im bilanzierenden Rückblick einer akademischen Disziplin beurteilt? Diesen Fragen wird anhand von konkreten Fallbeispielen nachgegangen. Mit einer Einführung von Hartmut Lehmann und einem Nachwort von Carl E. Schorske. Die Texte sind überwiegend in englischer Sprache abgedruckt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2000

Frank-Lothar Kroll bespricht den hier vorgestellten "eindrucksvollen" Band sehr respektvoll, wenn auch nicht unbedingt enthusiastisch. Kroll skizziert die in dem Band dokumentierten "vier großen Auseinandersetzungen" innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts: die Lamprecht-Kontroverse zu Beginn des Jahrhunderts, die Diskussion um Person und Politik Gustav Stresemanns, die offenbar bis 1979 geführt wurde, die Fischer-Kontroverse der 60er Jahre und - als einziger Streit, der noch aktuell ist - die Debatten um den Holocaust. Hier lobt er Doris Bergens Darstellung, die mit Goldhagen die Holocaust-Debatte hinter Erkenntnisse zurückfallen sieht, die schon Hannah Arendt, aber auch der Historikerstreit in Deutschland hervorgebracht haben. Nicht ganz einverstanden ist Kroll mit Bergens Argument, Goldhagens These von der Singularität des Holocaust könne den Deutschen ein "allzu selbstzufriedenes" Sicherheitsgefühl vermitteln, dass ein Genozid nicht wieder möglich ist. Doch was ist "der Ertrag" eines solchen Bandes, fragt Kroll zum Schluss. Solche "Großkontroversen" dienen wohl der "Selbstvergewisserung des Faches", doch sollte man nicht vergessen, schreibt Kroll, dass sie ohne die "entsagungsvolle Grundlagenarbeit" der Forschung nicht geführt werden könnten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2000

Nach Alexander Gallus werden in diesem Band einige wichtige Historikerkontroversen (etwa die um Stresemann) neu besprochen und beurteilt, Kontroversen, an denen die Autoren des Bandes teilweise selber beteiligt waren. Dabei wird, wie Gallus feststellt, sehr deutlich, wie sehr "außerwissenschaftliche Motive" (etwa politischer Art) häufig eine bedeutende Rolle spielten. Hans Lehmann etwa merke selbst an, dass hinter den Frage, um die vordergründig gestritten werde, oft `andere strittige Komplexe` stehen, ohne dass darüber gesprochen werde. Gallus geht besonders auf den Text Annelise Thimmes über die Stresemann-Kontroverse ein, an der sie einst mitgewirkt hat, allerdings sei ihr Beitrag hier bei der Darstellung der verschiedenen Standpunkte "detailliert und fair", wenn auch nicht frei von Polemik und Ignoranz gegenüber einigen "Kontrahenten". Abschließend schließt sich Gallus Carl E. Schorskes Seufzer an, Geschichte erscheine "manches Mal eben als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln".
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