Hartmut Lehmann

Apokalypsen

Lektionen aus vergangenen Katastrophen
Cover: Apokalypsen
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835358294
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Pandemien, Kriege, Klimanotstand: Auch in der Vergangenheit haben die Menschen verheerende Katastrophen erlebt. Was können wir aus ihren Erfahrungen lernen? Die Corona-Pandemie, die Klimakatastrophe, neue Kriege in Europa und im Nahen Osten: Wir scheinen vor einer noch nie da gewesenen, fatalen Extremsituation zu stehen. Doch in den letzten 800 Jahren haben die Menschen in Europa schon mehrmals der "Apokalypse" ins Auge schauen müssen und die beginnende Endzeit befürchtet. Im 14. Jahrhundert hinterließ die Pest eine Spur der Verwüstung. Im späten 16. und 17. Jahrhundert verursachte eine Klimaverschlechterung eine quälend lange Serie von Hungersnöten, Seuchen und Kriegen. Im 20. Jahrhundert brachten Krieg und Vernichtung menschlichen Lebens in bisher ungekanntem Ausmaß die politische und moralische Ordnung auf der ganzen Welt aus der Balance. Diese extremen Szenarien markieren Brüche und gesellschaftliche Belastungsproben. Der Historiker Hartmut Lehmann erklärt, was die Katastrophen für die Menschen in ihrem Alltag bedeuteten und was davon sie in Erinnerung behielten. Er fragt, welche Rolle Verschwörungstheorien bei all diesen Ereignissen spielten und wer als Sündenbock herhalten musste. Nicht zuletzt geht es darum, welche Lektionen aus den existentiellen Bedrohungen der Vergangenheit uns heute helfen könnten, die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.05.2025

Insbesondere über die Katastrophen vergangener Jahrhunderte kann man viel lernen aus diesem Buch, findet Rezensent Wolfgang Schneider. Der Historiker Hartmut Lehmann zeichnet darin laut Schneider nach, wie die Menschheit etwa während der Pest oder in der kleinen Eiszeit harte Zeiten durchmachte, wie in diesen Phasen manche Schutzmaßnahmen sich durchaus als wirksam erwiesen, wie aber auch stets verlässlich nach Sündenböcken gesucht wurde, was etwa in Juden- oder Hexenverfolgung resultierte. Schön auch, findet der Rezensent, wie Schneider durchaus differenziert die Rolle der Religion in apokalyptischen Zeiten analysiert. Weniger gelungen sind die Kapitel, die sich neueren Katastrophen, etwa jener, die der Nationalsozialismus über die Welt brachte, oder auch der aktuellen Klimakrise zuwenden, allzu simpel argumentiert Lehmann hier oft, meint Schneider. Gleichwohl lernt er von Lehmann, dass es wohl auch zukünftig bei der Abwehr von Katastrophen eher um kleine, pragmatische Hilfestellungen als um vermeintlich visionäre Großentwürfe gehen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2025

Rezensent und Historiker Urs Hafner zieht eine recht frustrierende Bilanz aus Hartmut Lehmanns Buch - was zunächst am Thema liegt: Um sämtliche Katastrophen geht es, die Europa von der Pest des vierzehnten Jahrhunderts über die Hungersnöte und Seuchen im siebzehnten bis zu den beiden Weltkriegen im neunzehnten; bei der ökologisch und politisch gefährdeten Gegenwart ist man da noch gar nicht angekommen. Die eigentliche Leitfrage des Bandes, nämlich ob bzw. wie man aus der Geschichte für unsere Zukunft lernen könne, geht in der endlosen Katastrophen-Aufzählung schnell wieder unter; Lehmanns Leitmotivik der vier biblischen "apokalyptischen Reiter" (Gewalt, Krieg, Krankheit, Hunger) und die "eindringliche" und "schlichte" Sprache des Autors machen die Lektüre "beklemmend", meint Hafner. Dass Lehmann mit den englischen Quäkern nur eine einzige Ausnahme eines historischen Lerneffekts vorzuweisen habe und dass er fast nur intellektuelle Männer als Vorbilder aufzählt, dürfte auch einer selbsternannten "lost generation" wenig Hoffnung machen, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.04.2025

Durchaus ein wenig Mut scheint dieses Buch Rezensent Frédéric Valin zu machen. Hartmut Lehmann setzt sich darin, erläutert Valin, mit Menschheitskrisen der Vergangenheit und Strategien ihrer Überwindung auseinander, konkret schreibt er über die Pestepidemie, den Dreißigjährigen Krieg und die Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Laut Rezensent unterscheidet er in allen drei Fällen zwischen rationalen, pragmatischen Antworten auf die Krise und Verschwörungserzählungen, die mentale Entlastung versprachen, indem das Übel auf Sündenböcke abgewälzt wurde. Der Kritiker glaubt, dass insbesondere Lehmanns Ausführungen zum Dreißigjährigen Krieg Lektionen für die von der Klimakrise geprägte Gegenwart enthalten, da auch damals Klimaänderungen, konkret die sogenannte Kleine Eiszeit, mitverantwortlich waren für zahlreiche soziale Verwerfungen. Gut gefällt Valin außerdem, dass Lehmann nicht nur in großen historischen Thesen denkt, sondern stets im Blick behält, wie sich Geschichte auf das Alltagsleben auswirkt. Ein im besten Sinne humanistisches Buch ist das, freut sich der Rezensent abschließend, außerdem eines, das dafür plädiert, die Kompliziertheit der Welt anzuerkennen, anstatt sich in die einfachen Lösungen der Verschwörungstheorien zu flüchten.

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