Hans-Ulrich Treichel

Grunewaldsee

Roman
Cover: Grunewaldsee
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518421369
Gebunden, 180 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Paul liebt Berlin, vor allem Westberlin, sofern man Westberlin lieben kann, wenn man in einer dunklen Hinterhofwohnung in Kreuzberg lebt. Und er liebt Maria, die Spanierin mit den graugrünen Augen und der Motorradjacke. Die beiden lernen sich in Malaga kennen, wo er als Sprachlehrer jobbt, während er auf eine Referendariatsstelle wartet. Maria, die angehende Ärztin, wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muß er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Aber bei seinem Abschied aus Spanien ruft sie ihm nach: "Permanecemos juntos!" - "Wir bleiben zusammen!" Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: Sie sehen sich wieder, in Deutschland. Von der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten aus brechen sie auf zu einer Reise, die freilich nur einen halben Tag dauert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2010

Ausgesprochen gern hat Meike Fessmann Hans-Ulrich Treichels Roman "Grunewaldsee" gelesen, ruft er doch peinlich-schöne Erinnerungen an das alte West-Berlin auf und spielt gekonnt mit der "Berlin-Melancholie". Der Autor zeichnet die Mauerstadt als provinziellen Wartesaal für den erst als Studenten, dann als Referendariatsanwärter ausharrenden Paul, der sich als Sprachlehrer in Spanien in die schwangere Maria verliebt, fasst die Rezensentin zusammen. Großartig, wie Treichel seinen meistenteils sexuell frustrierten Helden in eine "Geometrie der Sehnsucht" stellt und wie geschickt er in feingewebter Symbolik Pauls Verhältnis zur verheirateten Maria und ihrer später geborenen Tochter zeichnet, lobt Fessmann. So ist dies nicht nur ein gelungener West-Berlin-Roman, sondern zugleich die Geschichte einer "symbolischen Vaterschaft" und insgesamt ein Meisterstück an raffinierter "Motiv- und Symbolarbeit, so die Rezensentin bewundernd.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2010

Für Wolfgang Schneider ist Hans-Ulrich Treichel einer der wenigen echten "Humoristen" der deutschen Gegenwartsliteratur und in seiner Konzentration auf das Kleine, Unbedeutende mit Robert Walser eng verwandt. Nach dem Flüchtlingsroman "Der Verlorene" gilt "Grunewaldsee" dem begeisterten Rezensenten als Treichels "bester" Roman. Im Gegensatz zu Sven Regeners "alternativem Heimatroman" kann man die Geschichte um Paul, der im Berlin der 80er Jahre auf einen Referendarplatz wartet, sich zwischenzeitlich in Spanien in eine verheiratete Frau verliebt und, nach Berlin zurückgekehrt, das Warten wieder aufnimmt, getrost als melancholisch beschworene "Heimatlosigkeit" lesen, so Schneider. Der an sich todtraurigen Existenz Pauls, einem einnehmenden Tor, begegnet der Autor mit Ironie und Humor, so dass sich der Roman für den Rezensenten gerade durch seine Heiterkeit auszeichnet. Er bewundert die Souveränität, mit der Treichel zwischen den Zeiten und Orten wechselt und freut sich eingehend an den Reflexionen über Gott und die Welt, denen sich Paul während seines Wartens hingibt und die den Roman "zwischenzeitlich zum Plauderkunstwerk" machen, wie der Rezensent hingerissen schwärmt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2010

Christoph Schröder atmet auf: Obgleich nostalgisch, ist Hans-Ulrich Treichels Roman aus der Bonner Republik, spielend in Berlin, Kreuzberg, nicht von der Idyllenkrankheit befallen wie etwa die Eltern des Anti-Helden. Dieser, für Schröder eine klassische Treichel-Figur, gibt dem Text seinen strukturell chaotischen Flow. Ein nicht zuletzt vom Eros angetriebener Bewusstseinsstrom, eine "höchst amüsante Assoziationsverkettung", wie Schröder zufrieden feststellt. Die vom Autor laut Rezensent meisterhaft nachgezeichnete Enge und Beschränktheit der 80er wird also etwas aufgelockert. Dafür sorgt, meint Schröder, auch Treichels geschmeidige, "hüpfende" Diktion.
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