Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432716 Gebunden, 202 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Bernhard ist siebzig, geschieden, kinderlos, und seit er im Ruhestand ist, fehlt ihm etwas: eine neue Beziehung, ein Hobby oder vielleicht doch ein Ehrenamt? Nichts will sich so recht fügen. Doch dann erreicht ihn eine Einladung nach Salerno - jenen Ort an der italienischen Küste, an dem er vor Jahrzehnten einige Monate gelebt hat und der damals ein Versprechen auf ein anderes Leben war. Dort wartet jetzt Alfredo auf ihn, Betreiber eines Strandbades und einst sein Vermieter. Und das Karussell, das Alfredo vor der Verschrottung gerettet hat und das er immer schon in Betrieb nehmen wollte. Mit Hilfe von Arianna, einer Ingenieurin, die für Bernhard womöglich mehr als nur eine Freundin war und die er nun endlich noch einmal zu treffen hofft. Er macht sich auf eine Reise zurück an jenen Ort, an dem noch Fragen offen sind. Hans-Ulrich Treichel erzählt eine Wiedersehensgeschichte, die zugleich eine Abschiedsgeschichte ist: "Träume eines alten Mannes? Träumen war ja nicht verboten. Das Vergangene verging nicht. Zumindest solange man lebte. Das Entgangene allerdings auch nicht."
Viel Freude hat Rezensent Christoph Schröder mit Hans-Ulrich Treichels neuem Roman. In dessen Zentrum steht ein typischer Treichel-Held: Bernhard ist ein etwas unbedarfter, dabei harmloser und keineswegs unsympathischer Mann im Rentenalter. Das Buch besteht aus zwei Teilen, im ersten steht eine Erinnerung an einen Jahrzehnte zurück liegenden Aufenthalt in Salerno im Zentrum - Bernhard verliebte sich damals in eine Italienerin, mehr als ein Kuss kam bei der Sache nicht raus. In der Gegenwart besucht die Hauptfigur ein weiteres Mal Salerno und entdeckt dabei unter anderem das titelgebende Karussell, das bei Treichel auf geschickte Weise zum Symbol eines von Wiederholungen geprägten Lebens wird. Melancholisch und kitschfrei schreibt der Autor in diesem Roman und ganz nebenbei, freut sich ein rundum glücklicher Rezensent, rührt er an komplexen Fragen wie der, ob man auch um etwas trauern kann, das nie stattgefunden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2026
In Hans-Ulrich Treichels neuer Novelle liest Kritikerin Katrin Hillgruber eine gelungene Geschichte über ein Leben, das innerlich weit mehr mit verpassten Chancen zu tun hat als es äußerlich den Anschein hat. Der Protagonist Bernhard erinnert sich im Rückblick an die zwei Jahre, die er als Lektor an der Universität in Salerno verbracht hat, er ist für Hillgruber ein "typischer Treichel-Held", dem der Kontakt zu anderen Menschen schwerfällt. Sein Student Alfredo verschafft ihm eine Wohnung, er trifft dort auf Arianna, in die er sich Hals über Kopf verguckt, bei der er aber keine Chance hat, und begegnet im Strandbad seines Vaters Luciano dem titelgebenden Karussell. Dieses Karussell steht für das sich ständig weiterdrehende Leben, durch das Bernhard eher stolpert als zielstrebig schreitet und an das er sich auch vierzig Jahre später noch erinnert. Die Rezensentin ist besonders überzeugt von Treichels Talent, kleine Szenen zu "narrativen Glanzlichtern" auszubauen.
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