Das Karussell
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432716
Gebunden, 202 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Bernhard ist siebzig, geschieden, kinderlos, und seit er im Ruhestand ist, fehlt ihm etwas: eine neue Beziehung, ein Hobby oder vielleicht doch ein Ehrenamt? Nichts will sich so recht fügen. Doch dann erreicht ihn eine Einladung nach Salerno - jenen Ort an der italienischen Küste, an dem er vor Jahrzehnten einige Monate gelebt hat und der damals ein Versprechen auf ein anderes Leben war. Dort wartet jetzt Alfredo auf ihn, Betreiber eines Strandbades und einst sein Vermieter. Und das Karussell, das Alfredo vor der Verschrottung gerettet hat und das er immer schon in Betrieb nehmen wollte. Mit Hilfe von Arianna, einer Ingenieurin, die für Bernhard womöglich mehr als nur eine Freundin war und die er nun endlich noch einmal zu treffen hofft. Er macht sich auf eine Reise zurück an jenen Ort, an dem noch Fragen offen sind. Hans-Ulrich Treichel erzählt eine Wiedersehensgeschichte, die zugleich eine Abschiedsgeschichte ist: "Träume eines alten Mannes? Träumen war ja nicht verboten. Das Vergangene verging nicht. Zumindest solange man lebte. Das Entgangene allerdings auch nicht."
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2026
Rezensent Gustav Seibt wird ein bisschen melancholisch mit Hans-Ulrich Treichels Roman über einen pensionierten Hochschullehrer, der einer Jugenderinnerung und -liebe zurück nach Salerno folgt, um festzustellen, dass in Italien alles beim alten, er selber aber unwiderruflich gealtert ist. Ein kleiner Roman übers Altwerden und ein "Reenactment" also, der laut Seibt raffiniert, wenngleich modellhaft mit Zeitstrukturen spielt. Stark findet Seibt, wie Treichel die "trügerischen" Wiederbegnungen des Protagonisten mit dem Vergangenen inszeniert. Vierzig Jahre sind wie ein Tag, und doch geht alles zu Ende, stellt Seibt lesend fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.06.2026
In "Das Karussell" schreibt Hans-Ulrich Treichel von den kleinen Enttäuschungen des Lebens und er tut dies so gekonnt, so konsequent, dass Rezensentin Judith von Sternburg diese Enttäuschungen nahezu am eigenen Leib erfährt. Im Zentrum der Erzählung steht Bernhard, fast 70, der von sich selbst wohl als zufriedenen Menschen beschreiben würde. Dass ihm etwas fehlt, eine Hoffnung vielleicht, ein Ausblick, Nähe, offenbart sich erst durch seine Bereitschaft einer unerwarteten Einladung zu folgen und mit den Erinnerungen, die diese Einladung auslöst. Eine alte Liebschaft tritt wieder in sein Leben und mit ihr ein altes Projekt - die Instandsetzung des titelgebenden und symbolträchtigen Karrussels - beide waren und sind immer noch von größerer Bedeutung für Bernhard, als er selbst zugeben würde. Überhaupt gelingt es diesem Autor, seinen Protagonisten stets mehr über sich verraten zu lassen, als er selbst von sich weiß, lesen wir. Zugleich aktiviert Treichel alle Sinne der Kritikerin´, die das schäbige Hotel oder das Meer in Salerno fast riechen kann - diesen altbekannten Ort, an den man zurückkehrt nach vielen Jahren, mit einer Sehnsucht, einer Hoffnung, es müffelt an solchen Orten doch immer nach Enttäuschung. Und so kann auch dieser Roman nur in einer kleinen persönlichen Apokalypse enden. "Ein dröges Virtuosentum" nennt von Sternburg die hohe Kunst, die Treichel hier perfektioniert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.06.2026
Viel Freude hat Rezensent Christoph Schröder mit Hans-Ulrich Treichels neuem Roman. In dessen Zentrum steht ein typischer Treichel-Held: Bernhard ist ein etwas unbedarfter, dabei harmloser und keineswegs unsympathischer Mann im Rentenalter. Das Buch besteht aus zwei Teilen, im ersten steht eine Erinnerung an einen Jahrzehnte zurück liegenden Aufenthalt in Salerno im Zentrum - Bernhard verliebte sich damals in eine Italienerin, mehr als ein Kuss kam bei der Sache nicht raus. In der Gegenwart besucht die Hauptfigur ein weiteres Mal Salerno und entdeckt dabei unter anderem das titelgebende Karussell, das bei Treichel auf geschickte Weise zum Symbol eines von Wiederholungen geprägten Lebens wird. Melancholisch und kitschfrei schreibt der Autor in diesem Roman und ganz nebenbei, freut sich ein rundum glücklicher Rezensent, rührt er an komplexen Fragen wie der, ob man auch um etwas trauern kann, das nie stattgefunden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2026
In Hans-Ulrich Treichels neuer Novelle liest Kritikerin Katrin Hillgruber eine gelungene Geschichte über ein Leben, das innerlich weit mehr mit verpassten Chancen zu tun hat als es äußerlich den Anschein hat. Der Protagonist Bernhard erinnert sich im Rückblick an die zwei Jahre, die er als Lektor an der Universität in Salerno verbracht hat, er ist für Hillgruber ein "typischer Treichel-Held", dem der Kontakt zu anderen Menschen schwerfällt. Sein Student Alfredo verschafft ihm eine Wohnung, er trifft dort auf Arianna, in die er sich Hals über Kopf verguckt, bei der er aber keine Chance hat, und begegnet im Strandbad seines Vaters Luciano dem titelgebenden Karussell. Dieses Karussell steht für das sich ständig weiterdrehende Leben, durch das Bernhard eher stolpert als zielstrebig schreitet und an das er sich auch vierzig Jahre später noch erinnert. Die Rezensentin ist besonders überzeugt von Treichels Talent, kleine Szenen zu "narrativen Glanzlichtern" auszubauen.