Hans Richard Brittnacher

Leben auf der Grenze

Klischee und Faszination des Zigeunerbildes in Literatur und Kunst
Cover: Leben auf der Grenze
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835310476
Gebunden, 394 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Seit rund 500 Jahren verbreiten Literatur, Bildende Künste, Musik, aber auch die sogenannte Ziganologie und schließlich auch der Film immer wieder dieselben Klischees über "Zigeuner": Die hexenhafte Wahrsagerin, die schöne Tänzerin oder der Vagabund und Zaubergeiger verkörpern die Vorstellungen von Freiheit und Wildheit, aber auch von archaischem Leben und kreatürlicher Not. Nicht die Lebenswirklichkeit von Sinti und Roma, von Manouches oder Kalderasch dient diesen Konstruktionen als Vorlage, sondern Phantasien der Mehrheit über eine Minderheit, die seit Jahrhunderten ungeprüft abgeschrieben und weitergegeben werden. Die "Zigeuner" im Roman und in der Malerei, in Opern und Operetten, im Fernsehkrimi, im Jugendbuch und der Reiseliteratur erscheinen als Artefakte, die offenbar der Mehrheitsgesellschaft als unverzichtbare negative Orientierungen zur Selbstverständigung dienen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2012

Eine Art Neuschreibung der sogenannten Zigeunerliteratur, wie sie der Germanist Hans Richard Brittnacher in seinem Buch unter die Lupe nimmt, aber aus Sicht der so subsumierten Ethnien, wünscht sich Katharina Teutsch. Brittnachers Buch löst in ihr Entsetzen aus über die hier nachlesbaren weitgehend allegorisch verwendeten Zigeuner-Klischees (das unerklärlich Dräuende!) in Kunst und Literatur, die der Autor ganz richtig "narrative Verfügungsmasse" nennt. Bedient haben sich von Goethe bis zu den Machern der Serie "Dr. House" viele, wie Teutsch erfährt, und stets Angehörige der Mehrheitsethnien.

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