Hans Herbert Grimm

Schlump

Roman
Cover: Schlump
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462046090
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Hans Herbert Grimm bekannte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg dazu, einen Roman über den Ersten Weltkrieg geschrieben zu haben, der sich abhebt von vielen heute nur noch literaturgeschichtlich kanonisierten Romanen. Die "Geschichten und Abenteuer aus dem Leben des unbekannten Musketiers Emil Schulz, genannt 'Schlump', von ihm selbst erzählt" - so der Untertitel - zeigen den Weg eines unbedarften jungen Helden von der Etappe aufs Schlachtfeld, ins Lazarett und zurück. Und sie erzählen die Geschichte eines modernen Hans im Glück, der nach Romanzen Ausschau hält und am Ende die große Liebe trifft, die immer schon auf ihn wartete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2014

Erstaunlich, wie wenig gelungene Schelmenromane es gibt, meint Judith von Sternburg und möchte Hans Herbert Grimms "Schlump" unbedingt dazurechnen. Wenn der Autor, der eigentlich Leher in Altenburg war, hier seinen Musketier Emil Schulz, genannt Schlump, durch das Elend des Ersten Weltkriegs jagt, durch die Schützengräben an der Westfront und die Schikanen in der Etappe, dann liest Sternburg nicht nur in "unvergessliche Szenen" und ohne jedes Pathos vom Massensterben, sondern auch von Lügen und Hunger. Und wenn Grimm gute Laune und Lebensfreude dem Schrecken gegenüberstellt, meint die Rezensentin, führt das nicht zu einer Verharmlosung, Sternburg sieht darin eher eine Ermutigung, "kein Lump zu werden, wenn die Welt untergeht".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2014

Schon die ersten Seiten dieses 1928 bei der Erstveröffentlichung wenig beachteten, nun wiederaufgelegten Weltkriegs-Romans drängen Jens Uthoff dazu, unbedingt weiterzulesen, gesteht er. Dies liegt vor allem am irritierend märchenhaften Stil, in dem das zumal in der ersten Hälfte von Kriegsschrecken auffällig freie, "Kriegstagebuch, Liebes- und Schelmenroman" verortete und schon im Untertitel auf den Simplicissimus anspielende Buch verfasst ist. Erst in der zweiten Hälfte, als die Titelfigur Schlump an die Front kommt, reihen sich die Gräuel, die sich an der märchenhaft bleibenden Sprache enorm reiben, führt der Kritiker weiter aus. Überhaupt arbeitet Grimm sehr sorgfältig mit der Sprache, meint Uthoff: Der Zeitgeist wird gut darin erfahrbar und die vielfältigen Lautmalereien wiederum holen das Kriegsgeschehen ans Ohr des Lesers. Mit den großen, klassischen Weltkriegsromanen von Remarque und Edlef Köppen ist dieses Buch zwar schon wegen seiner besonderen literarischen Ästhetik nicht zu vergleichen, meint der Rezensent abschließend. Doch offenbaren sich ihm einige Nähen zu Haseks "Der brave Soldat Schweijk" - nicht die schlechteste literarische Nachbarschaft, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2014

"Schlump" ist zurück, jubelt Rezensent Jochen Schimmang, der dem im Jahre 1928 von Hans Herbert Grimm veröffentlichten Weltkriegsroman bei der Neuauflage eine größere Beachtung wünscht. Denn nicht nur Grimms rasantes Erzähltempo, sondern auch die Geschichte um den jungen Mann, der zunächst das lockere Leben zu Kriegsbeginn in Kasernen und Kneipen genießt, bald aber im Schützengraben das Grauen erleben muss und schließlich im Lazarett zum Rebellen und Helden wird, machen dieses Buch äußerst kurzweilig, so Schimmang.  Auch wenn der Kritiker das ein oder andere Klischee liest, kann er diesen Schelmenroman nicht zuletzt dank Grimms tief beeindruckender literarischer Bilder nur unbedingt empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.04.2014

Eine großartige Wiederentdeckung ist Hans Herbert Grimms Roman "Schlump" aus dem Jahr 1928, findet Christopher Schmidt. Grimm erzählt darin die Geschichte eines deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg aus dessen Perspektive, wobei es das große Verdienst des Autors sei, dass er seinen Bericht nicht auf die Schützengräben beschränkt, sondern auch die zivilen Aspekte des Krieges beschreibt, erklärt der Rezensent: den Männermangel in der französischen Provinz, die Beziehungen zwischen den Soldaten seiner Truppe, das merkwürdige Gefühl, einen "Krieg ohne Feindschaft" zu kämpfen, auch wenn es auf beiden Seiten die "Kriegsmutwilligen" gibt, fasst Schmidt zusammen. Das Buch ist Grimms ironische Abrechnung mit dem Militarismus seiner Zeit, kein Wunder also, dass die Nationalsozialisten es verboten haben, meint der Rezensent, der sich um so mehr freut, dass es wieder aufgetaucht ist.
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