Hans-Harald Müller

Leo Perutz

Biografie
Cover: Leo Perutz
Zsolnay Verlag, Wien 2007
ISBN 9783552054165
Kartoniert, 408 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Der 1882 in Prag geborene, in Wien aufgewachsene Leo Perutz war in der Zwischenkriegszeit einer der meistgelesenen Erzähler deutscher Sprache; er zählte zu den Stammgästen der berühmten Kaffeehäuser, seine Bonmots fanden Eingang in die Feuilletons der "Neuen Freien Presse" und des "Berliner Tageblatts", deren Geschwätzigkeit er wie Karl Kraus verachtete. Der Hamburger Perutz-Spezialist Hans-Harald Müller legt nun eine Biografie vor, die freilich einer Bitte von Perutz nicht entsprechen kann: "Schreiben Sie nichts über mich und alles über meine Romane."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2007

Dass sich der österreichische Bestsellerautor der zwanziger Jahre, Leo Perutz, nun wieder entdecken lässt, ist Hans-Harald Müller zu danken, der sich nicht nur um die Neuauflage von Perutz' Romanen verdient gemacht, sondern ihm nun auch eine umfassende Biografie gewidmet hat, streicht Oliver Pfohlmann heraus. Weil der von Adorno, Tucholsky und Ian Fleming verehrte Autor, der als Jude vor den Nazis nach Jerusalem flüchtete und so seinen deutschsprachigen Lesern entschwand, so gut wie nichts Autobiografisches hinterlassen hat und sein Leben aus Überzeugung auch nicht in seinen Romanen verarbeitete, hat er es seinem Biografen nicht leicht gemacht, erklärt Pfohlmann. Dass der Autor trotzdem viel über den Schriftsteller mitzuteilen weiß, zeigt die Tatsache, dass der Rezensent detailliert das Leben Perutz' nachzeichnet und seinen Weg vom gescheiterten Gymnasiasten zum Versicherungsmathematiker und Erfolgsschriftsteller bis zum fast vergessenen Autor in Jerusalem beschreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2007

Rundum gelungen findet Rezensent Sven Hanuschek diese Biografie Leo Perutz', die der Germanist Hans-Harald Müller vorgelegt hat. Er würdigt den Autor als einen der besten Perutz-Kenner, der auch an der Wiederentdeckung von dessen Werk maßgeblich beteiligt war. Die Probleme einer Biografie über Perutz, der nur von Fall zu Fall als Schriftsteller arbeitete, sehr knappe Tagebücher führte und in seine Romane wenig Autobiografisches einfließen ließ, hat Müller nach Ansicht Hanuscheks gut gemeistert. Die Arbeit zeichnet sich für ihn durch ihre hohe Redlichkeit aus. Der Autor stelle die methodischen Probleme dar, charakterisiere Perutz' "pedantisch-konstruierende" Arbeitsweise sowie seinen Lebensstil und handle dann Leben und Werk anhand der Quellen chronologisch ab, wobei er sich jeder Wertung und Spekulation enthalte. Amüsant wird das Buch für Hanuschek durch die Zitate aus Briefen und Tagebüchern, in denen ein eher rüder Umgangston herrscht. Überzeugt hat ihn zudem Müllers ausführliche Darstellung von Perutz' literarischem Werk.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007

Solide und fundiert ist Hans-Harald Müllers Biografie des Schriftstellers Leo Perutz, das kann Daniela Strigl bestätigen. Sie findet aber nichts, was im Vergleich zu Ulrike Siebauers Perutz-Porträt aus dem Jahr 2000 nun entschieden neu oder besser wäre. Nach ihrem Geschmack hätte Müller sich und den Lesern zudem ruhig ein paar mehr der hübschen Anekdoten gönnen können, die sich um den vitalen Perutz ranken. So wäre dieses "markante" Porträt vielleicht noch ein bisschen stärker geworden. Perutz hat sich laut Strigl gewünscht, dass man nach seinen Tod nur über seine Bücher und nicht über ihn redet. Ein schwaches Echo dieser Bitte erkennt Strigl in Müllers Entscheidung, dem Romanwerk einen großen Raum einzuräumen. Aber Pietät hin oder her, das Verhältnis des Antizionisten Perutz zum Judentum wäre ein spannendes Kapitel gewesen, das hier leider fehle.