200 Jahre Hans Christian Andersen. Jubiläumsausgabe. Illustrustriert von Kveta Pacovska. Mit zahlreichen bunten Bildern. Limitierte Auflage von 999 Stück. 999 Stück hatte das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen nicht. Es hatte viel weniger. Zu wenig, um sich zu wärmen, zu wenig, um zu überleben. Es waren gerade genug um ihr wärmende Bilder zu suggerieren, um ihr illusionär eine heile Welt erscheinen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 17.11.2005
Der tschechischen Bilderbuch-Künsterlin Kveta Pacovska gelingt etwas Überraschendes mit der Illustration von Hans Christian Andersens schwierigem Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", beobachtet Rezensent Bruno Blume hingerissen. Pacovska "macht das Märchen neu lesbar", indem sie jedes Bild anders gestaltet und dennoch den Charakter der Emotionen, Wünsche, Ängste und freudvollen Erinnerungen in ganz eigener Weise herausarbeitet. Sie schlägt mit ihrer Arbeit eine Brück zwischen der "Rührseligkeit des 19. Jahrhunderts" und "der Abstraktion der modernen Kunst", staunt Blume vorbehaltlos. Die 77-Jährige abstrahiert, entwirft Nahaufnahmen, entwickelt Collagen und flächige Passagen aus Silberprägedruck. Blume kann es nur bedauern, dass das Bilderbuch in Deutschland mit einer verschwindend kleinen Auflage von 999 Exemplaren erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Vollkommen begeistert ist Jens Thiele von den Illustrationen der Prager Künstlerin Kveta Pacovska zu Hans Christian Andersens Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen". Wer sich eine "buchstäbliche Umsetzung" der Geschichte erhofft, wird enttäuscht sein, warnt der Rezensent. Diejenigen Leser aber, die sich auf die farbigen Experimente von Pacovska einlassen können, werden das Märchen in seiner ganzen "psychische Dimension" und dabei auch einen neuen Andersen kennen lernen, verspricht Thiele. Die Illustratorin nimmt in ihren Bildern einen "Perspektivwechsel" vor, so dass statt des armen, frierenden Mädchens die Streichhölzer in den Vordergrund geraten. Ihr Licht ist es dann auch, dass jeder Seite ihre sprühende Farbigkeit gibt, die sich von Seite zu Seite intensiviert, während das Mädchen immer stärker in seine halluzinatorischen Phantasiewelt abtaucht, erklärt der verzückte Rezensent. Pacovska "lotet" mit ihrer Kunst die "Grenzen zwischen Illustration und freier Bildgestaltung neu aus" und demonstriert die "Spielräume der Märchenillustration", so der hingerissene Thiele.
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