Klappentext
Hinter der perfekten Idylle lauert die "Tradwife"-Szene - Hannah Lühmanns Roman über ein virales Thema und den Rechtsruck in unserem Land. Als Jana mit ihrer Familie aufs Land zieht, merkt sie schnell: Hier gelten andere Regeln. Hinter der bürgerlichen Fassade lauert ein höchst problematisches Weltbild, wie selbstverständlich wird hier AfD gewählt. Auch Janas charismatische Nachbarin Karolin hat sich ganz der Rolle als Hausfrau und Mutter verschrieben. Je mehr Zeit Jana mit Karolin verbringt, desto klarer wird ihr, dass sie auf eine sehr zeitgemäße Weise ultrakonservativ ist - sie kämpft als "Tradwife" im Namen der Tradition gegen alles, wofür Jana eigentlich steht. Jana versucht, sich gegen ihre Faszination zu wehren, und ertappt sich doch immer wieder bei dem verstörenden Gedanken, dass sie Karolin um ihr Leben beneidet …
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.10.2025
Rezensentin Cornelia Geißler ist nach der Lektüre des zweiten Romans der deutschen Journalistin zwiegespalten. "Erschreckend realistisch" findet sie die Geschichte rund um die schwangere Jana, die nach ihrem Umzug in eine neue Siedlung auf die perfekte, fünffache Mutter Karoline trifft und zunehmend ihrem Frauenbild verfällt. Darin erkennt die Kritikerin die sogenannte "Tradwife"-Bewegung aus den USA wieder, die sich primär über die Sozialen Medien auch hierzulande verbreitet hat. Dieser Begriff beschreibt Frauen, die sich im Zeichen eines neu gedeuteten Feminismus auf konservative Traditionen zurückberufen und sich gänzlich dem Hausfrau-Dasein und der Kindererziehung widmen. Das geht oft mit einer ebenso konservativen und idealisierten Vorstellung von Heimat einher, beobachtet Geissler, die hierbei kurz an Bernhard Schlinks Roman "Die Enkelin" denken muss, wo diese Gruppe jedoch nur eine Randrolle einnimmt. Für nur knapp 170 Seiten nehme sich die Autorin da viel vor, was in der kurzen Zeit leider nicht wirklich aufgehe. Dafür ist der Blick auf die Figuren oft zu oberflächlich, wenn die Autorin etwa aus Gesichtsausdrücken vollständige Meinungen herzuleiten versucht, bemängelt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 30.08.2025
Hannah Lühmanns Roman beschäftigt sich laut Rezensentin Jette Wiese mit dem Thema Tradwifes, also mit sehr konservativen Frauen, das oft auch auf den sozialen Medien propagieren. Hauptfigur ist Jana, eine junge Mutter, die mit ihrem Mann aus einer Groß- in eine Kleinstadt zieht, ihren Job kündigt und Eheprobleme hat. Gut gefällt Wiese, wie Lühmann das Kleinstadtleben darstellt, das Misstrauen zum Beispiel, das dieses mit sich bringt, die Unsicherheiten, die es bei Jana hervorruft. Die Tradwifes kommen über Karolin ins Spiel, eine Frau im Ort, die Wiese kennenlernt und die die typischen Szenecodes bedient, vom Jeep bis zur Barbour-Jacke - und deren Leben Jana zunächst sehr erstrebenswert erscheint, wie Wiese beschreibt. Später zeigt sich jedoch, dass sich hinter Karolines souveräner Fassade ein autoritär auf den Ehemann zugeschnittenes Familienleben verbirgt, sol liest die Kritikerin das Buch auch als Abrechnung mit dem Tradwifes-Trend. Weiterhin geht es um Janas Orientierungslosigkeit, mit den Mechanismen, die dafür sorgen, dass sie die Tradwifes für eine echte Alternative zu halten beginnt und sich auch in anderen Fragen rechten Positionen annähert. Wie Wiese zu Lühmanns Roman steht, in dem Gefühle oft kaum von Werturteilen zu trennen sind und der Janas Leben vorwiegend in einfachen Hauptsätzen beschreibt, ist nicht immer ganz klar, gegen Ende kritisiert sie die polemische Schlagseite des Buches. Mit Interesse gelesen hat die Rezensentin das alles aber schon.