Gustave Flaubert

Madame Bovary

Roman
Cover: Madame Bovary
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446239944
Gebunden, 760 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Neu übersetzt von Elisabeth Edl. Emma Bovary ist eine der faszinierendsten Frauen der Weltliteratur. Sie lebt in der Provinz und träumt von großer Leidenschaft, großer Liebe und großem Leben. Gelangweilt von ihrer Ehe mit dem Landarzt Charles, sucht sie die ersehnten Erregungen bald im Ehebruch, doch sie scheitert an ihrem Verlangen und ihrer Umwelt. Als das Buch 1857 in Frankreich erschien, wurde Flaubert wegen "Unmoral" der Prozess gemacht. Zugleich begann "Madame Bovarys" Ruhm als Gründungsroman der literarischen Moderne.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2012

Bingo! Die Übersetzerin Elisabeth Edl spart in ihrer Nachbemerkung nicht mit "steilen Ankündigungen" über die einzigartige Qualität und Präzision der eigenen Übersetzung und verweist alle 27 früheren Übersetzungen des Klassikers auf den Altpapierstapel - und sie hat recht! So sieht es zumindest Andreas Isenschmid, und seine Rezension - was ist schließlich schwieriger, als Übersetzungen zu besprechen? - ist selbst so präzise, dass man ihm glauben möchte. Es sind "Tausende reflektiert gesetzte kleine und kleinste Varianten", so Isenschmid, die Überlegenheit dieser Übersetzung ausmachen. Isenschmid macht es deutlich an bestimmten Techniken Flauberts: Worauf bezieht man zum Beispiel ein "er" in einem längeren Satzgefüge, wie spielt Flaubert mit der Zwiedeutigkeit möglicher Zuweisungen und wie erhält man dieses Spiel im Deutschen? Und es ist nicht nur die Präzision im Einzelnen, die Isenschmid überzeugt, sondern insgesamt auch der Rhythmus und Klang und "Edls Ohr für Sätze" in der Übersetzung insgesamt. Also: Edl ist die beste. Hinzukommen 300 Seiten Apparat, die den Leser laut Isenschmid zusätzlich beglücken.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2012

Ein Wurf! Kein Zweifel für den Rezensenten, dass der Sprachmeister Flaubert in Elisabeth Edl seine kongeniale Übersetzerin gefunden hat. Edi Zollinger bringt eine ganze Reihe Beispiele für Edls Kunst, noch den kleinsten sprachlichen Einheiten Flauberts auf die Schliche zu kommen und sie ins Deutsche zu bringen, das Nachvollziehen der Namensspiele ist da noch das Wenigste. Glänzend, wie sie das macht, findet Zollinger, schon weil die Bedeutung solcher Akribie bei diesem Autor gar nicht zu hoch einzuschätzen ist, wie er erklärt. Dass es nur einen einzigen richtigen Ausdruck, ein einziges richtiges Wort gibt - wer hätte das gedacht, außer Flaubert und Frau Edl? Eigentlich Ehrensache, aber der Rezensent erwähnt es dennoch: Edls Kommentar ist natürlich sorgfältig, ihre Anmerkungen reich. Nur beim Nachwort tritt die fabelhafte Übersetzerin ihren blassen Vorgängern etwas zu schulmeisterlich gegenüber. Wäre gar nicht nötig gewesen, findet Zollinger.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2012

Eine ebenso ausholende wie kenntnisreiche Besprechung widmet Thomas Steinfeld Elisabeth Edls neuer Übersetzung von Gustave Flauberts Roman "Madame Bovary" - um doch vor allem seiner Enttäuschung Luft zu machen. Denn eigentlich begreift der Kritiker jede der etwa zwei Dutzend deutschen Übersetzungen des Werkes als wesentlichen, wenn auch "unvollkommenen" Beitrag, um den ebenso "intellektuellen wie literarischen Reichtum" des Werkes in deutscher Sprache erfahrbar zu machen. In Edls Übertragung überwiegt allerdings die Kritik des Rezensenten, die er hier an zahlreichen Beispielen belegt: Unschöne, aber auch fehlerhafte Formulierungen entdeckt Steinfeld, die ihn insbesondere ärgern, da er Flauberts Stil für die mühevoll erarbeitete, exzellente Verdichtungskraft schätzt. Darüber hinaus beanstandet der Rezensent auch Fehlurteile zum Textverständnis in Edls Nachwort. Der Kritiker muss zwar gestehen, dass auch die jüngsten Übersetzungen nicht wesentlich besser waren - das tröstet ihn allerdings nicht darüber hinweg, dass er nun wohl noch einige Jahre auf eine angemessene Übersetzung warten muss.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Rezensent Niklas Bender folgt der Übersetzerin Elisabeth Edl ins Eingemachte, denn da geht es hin mit dieser Neuübertragung von Gustave Flauberts Bovary, da muss es hingehen, meint Bender. Alles andere wäre alles andere. Dass es bei diesem ansonsten recht trivialen Ehebruchsroman gerade um den Stil geht, die Stilbesessenheit seines Autors, sein Ringen um pointierte Formulierungen, sein Auge auf Doppeldeutigkeiten, Satzbau, Symbole, die essentielle Funktion der erlebten Rede hier, weiß Bender einfach, genau darin sieht er den Grund für die stiefmütterliche Behandlung des Textes durch die Übersetzer, sie hatten entweder zu viel Achtung oder aber sie verstanden nichts von diesem Buch. Nun also Edl, und Edl kann's, sagt Bender, sogar die Anmerkungen eröffnen dem Rezensenten Horizonte, so in der Prozessakte Bovary. Wie nun aber der Blick des Voyeurs Leon Emma Bovarys Bein abweidet, das sie unter der brutzelnden Lammkeule ans Feuer hält, das hat Bender so gekonnt höchstens schon im Original gelesen.
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